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Strukturen des Wissens / Strukturen der Gesellschaft / Strukturen der Wissenschaft:

Von disziplinärem Partikularismus zu systemischer Co-Disziplinarität:

Vom einstämmigen Wissens- und Entscheidungsbaum zum vielstämmigen Entscheidungswald mit multiplen Perspektiven, die aus unterschiedlichen Wurzeln spriessen

Geschichte, Mind Map, disziplinäre Denkstrukturen, insbesondere aber Programmiersprachen beginnen immer mit einem Wurzelelement. Sind mehrere vorhanden, werden wissenschaftliche Disziplinen eher praktisch, und unakademisch, also abgeschoben in die zweite Klasse, die angewandten Wissenschaften.

Die meisten Forscher und Entwickler die verantwortungsbewusst in den angewandten Wissenschaften tätig sind, wissen, dass diese Deklassierung eigentlich unsinnig ist, da die zunehmende Interaktion zunehmender Faktoren eine weitaus höhere Komplexität erzeugt, als bei reinen Wissenschaften, die ihre Objekte von unerwünschten und uninteressanten Umwelteinflüssen isolieren (können). Dadurch werden zweitere zwar objektiver - müssen aber bei Anwendung eben doch wieder zurückgeführt werden in die Welt der Subjektivität.

Der Baum des Wissens

               

Aber nicht nur an der Wurzel, sondern auch am andern Ende, bei Zweigen, Blüten und Früchten ist die Sache mit dem Wissen problematisch. Paul Feyerabend hat seinen ganzen Lebensabend damit zugebracht, gegen den Methodenzwang zu wettern. Methode ist das, was Wissen-Schaft zu derselben macht, präziser was Wissen eben schafft. Die Methode ist das "Schaft". Historisch war das relativ einfach. Gott war die Wahrheit, was Gott gesagt hat oder damit übereinstimmt, das ist Wissen. Mit dem Aufkommen von Technik und wissenschaftlicher Beschäftigung mit dem Körper des Menschen, seiner Gesundheit, der Ernährung, der Durchblutung (erst im 17. JH durch Harvey), Atem, Arbeit etc., wurde die Sache langsam aber sicher komplexer. Wahr war nun, was sich in der Natur beobachten liess, was also als Fakt, Tat-Sache, direkt ein-seh-bar war. (Nicht vergessen, Wissen kommt von Sehen). Gerade in der Optik musste man dann allerdings feststellen, dass eben doch nicht alles so war, wie es aus-sah, sondern dass sich das Auge ebenso wie das Ohr und die anderen Sinne doch recht oft täuschten. Kaum war das Individuum als Denkendes auferstanden und zum Grund alles Wissens geworden (je pense, donc je suis), musste es, als Subjekt, aus den Theorien wieder entfernt werden durch scharfe Unterscheidung zwischen beobachtetem Objekt und dem beobachtenden Subjekt, dass sich bei seinen Beobachtungen eben leicht täuschte. Mathematische Analysis, chemische Analyse, physikalische Messverfahren (Länge, Temperatur, Druck etc), Standards, wurden eingeführt, um dieses Geschäft zu normieren und so zu erleichtern. Aber sogar die absolute Objektivität wie sie eigentlich nur in Mathematik und Physik zu finden sind, erwies sich als irrtumsanfällig. Die Welt wurde relativ, die Mathematik ein nie fehlerfreies Konstrukt. (s. Gödelscher Unvollständigkeitssatz). Die Technik und die Industrie konnten leben damit.

Mit dem zunehmenden Einfluss abstrakten Wissens auf das reale Leben begegneten die Menschen der Wissenschaft, insbesondere der Technik zunehmend kritisch. Dies bereits zu Zeiten der Industrialisierung (Manchester Kapitalismus), noch mehr aber mit Erfindung der Atombombe, mit der der Mensch sich erstmals vollständig und restlos selbst vernichten konnte.

Mit der Umweltverschmutzung wurde der Sinn von immer mehr Technik, Wachstum, Produktion, Güter - und Abfall fragwürdig.

Arbeitslosigkeit hielt die Menschen bei der Stange, denn ohne Arbeit lässt es sich, trotz eigentlicher permanenter Ueberproduktion des Systems, schlecht leben. Je geringer die Profitraten, desto stärker der Druck auf Löhne und Leistung. Die Ideologie des Immer-Mehr, Immer-Besser, Immer-Schneller blieb erhalten, ja wurde zum Popanz - und zum eigentlichen Antrieb der sog. "Wissensgesellschaft". Nicht das kontemplative, Seelenruhe herstellende, genussreiche Betrachten der Welt, sondern die gezielte und permanente Beschleunigung aller Vorgänge ist das Ziel der heutigen Wissensgesellschaft.

Aha, ja, Zweige und Früchte: Feyerabend also wehrte sich gegen den Zwang zu der Methode, die in der jeweiligen Wissenschaft (Disziplin) anerkannt war, und forderte Forschungsfreiheit, auch was die Methode anging. Resultate sollten zählen, nicht aber Beliebigkeit und Gefasel die zielorientierte Forschung ersetzen. Bloss etwas mehr Phantasie sollte ebenfalls zulässig sein, denn wo geforscht wird, da wissen wir eben noch nicht so viel wie wir wollen, müssen uns also einiges erst mal vorstellen, theoretisch, spekulativ, modellhaft, hypothetisch. Spricht ja eigentlich nichts dagegen, ist inzwischen auch wissenschaftstheoretisch anerkannt, dieses Vorgehen.

Wo aber, wie Kant schon feststellte, a priori Wissen nicht (mehr) vorhanden ist, da wird die Methode zum einigen Massstab der Wissenschaftlichkeit, also der Verlässlichkeit des Wissens. Der Prozess der Auswahl (systemisch-funktionales Zusammenwirken) und Prüfung von Struktur (Vollständigkeit und Funktionalität) und Inhalt des Wissens wird zum kritischen Element. Diese Elemente müssen alle nach den Regeln der Logik und Gestalt zusammengefügt werden. Und genau hier, bei der Gestalt, der systemhaften Vollständigkeit, sind die Modelle der Finanzingenieure gescheitert. s.Black/Scholes: Erst Nobelpreis für das Modell, dann Bankrott mit dem Modell.

Dieser Notstand macht verständlich, warum sich die Philosophie der USA im 20. JH praktisch ganz der Logistik, d.h. der Analytischen Philosophie gewidmet hat.

Assmann zur Ganzheit (Totalität) des Wissens

 [Fluchten aus der Geschichte: Die Wiedererfindung von Tradition vom 18. bis zum 20. Jahrhundert]

Der Begriff Traditio stammt aus dem römischen Erbrecht. Gemeint ist die Übergabe einer beweglichen Sache
aus einer Hand in die andere. Tradition ist eine juristische Transaktion zwischen Gebendem und Nehmendem. Die Übertragung von Rechten und Pflichten, Autorität und Macht, Besitz und Eigentum muß über die Todesschwelle hinweg geregelt sein, damit Gesellschaften fortbestehen können. Im Testament haben wir die Urszene der Tradition vor uns.

Hermeneutik wird verstanden als eine Kunst der Lektüre, die den Wortlaut kanonisierter Texte mit den jeweiligen Interessen der Gegenwart kompatibel macht. Aber auch dieses Verfahren, so elastisch es ist, wird schließlich lästig. Das Geschäft der Deutungsakrobatik wird immer aufwendiger und steht der ungezügelten Entfaltung des Willens zur Mode bzw. Macht m Wege. Deshalb wird das leidige Testament schließlich kurzerhand in einer schweren Truhe verschlossen und so auf diskrete Weise aus dem Weg geschafft.

Die erste Phase ist bestimmt durch den Naturzustand der Tradition.

Die Normen verlieren den Charakter unbewußter Orientierungen und erhalten die Gestalt von verbindlichen Anweisungen. Die nächste Stufe charakterisiert er als Vergewaltigung der Tradition im Medium der Interpretation. Die Deutung ist ein Weg, der von der Gegenwart zur Vergangenheit führt und letztere rigoros den Imperativen der aktuellen Interessenlage unterordnet. Darauf folgt die Entfernung der Tradition aus der Lebenswelt durch das Mittel der Tabuisierung.

Popes Essay on Criticism (1711)
Ein Zeitgenosse Swifts, Alexander Pope, hat sich ebenfalls über Tradition unter den Bedingungen der Moderne Gedanken gemacht. 'Moderne' heißt in diesem Zusammenhang vor allem dreierlei: Demokratisierung, Markt-Rationalität und Wandlungsbeschleunigung. Das bedeutet im einzelnen:

  • Jeder kann schreiben und lesen, was und wie er/sie will; über die Frage der Qualität entscheidet das zahlungswillige Publikum;
  • Werte sind nicht mehr stabil, sondern werden von einem rasch veränderlichen Geschmacks-Wandel, genannt Mode, diktiert.

Dieses Syndrom der Moderne wird von Pope mit einem umfassenden Gegenbegriff beantwortet, der das Autoritative, Werthafte und Zeitbeständige in sich zusammenfaßt. Dieser Begriff heißt nicht Tradition, denn Tradition wird in dieser Generation ja gerade als verlorene erkannt. Der Begriff, der die verlorene Tradition unter den Bedingungen der Modernisierung von Gesellschaft und Literatur ersetzen soll, heißt bei Pope 'Natur'.

Aus diesen Beispielen vom Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Logik der Dynamik von Tradition in der Moderne deutlich: Der Begriff der Tradition wird erodiert durch eine forcierte Erfahrung von Zeitlichkeit und Veränderlichkeit in der Kultur. Während die einen Tradition durch Innovation ersetzen, und sich damit die neue Energie des Wandels auf ihre Fahnen schreiben, richten die anderen die Natur als eine überzeitliche Größe auf, der die Zeit nichts anhaben kann, weil sie im Gegenteil durch die Zeit hindurch erst eigentlich gefestigt und erwiesen wird. Tradition - Geschichte - Natur stehen also in einem Bedingungszusammenhang zueinander.

Die große Klammer der Kontinuität, die Hegel um Geschichte und Christentum, um Gott und Welt mit seiner Zauberformel Geist gespannt hatte, war bereits im letzten Jahrhundert aufgebrochen.

T.S. Eliots Traditionsbegriff: Der um 1900 zu verzeichnende gesamteuropäische Exodus aus der Geschichte betrifft auch die Künste. Man suchte allenthalben nach Ausgängen aus der (Literatur-) Geschichte. Die Konstruktion chronologisch-kausaler Ereignisketten wurde als Verschüttung von etwas Wesentlichem empfunden, das es wieder aufzuspüren galt. Das Interesse an neuer Unmittelbarkeit wurde wach. Man wollte die Werke früherer Epochen in neuer Nähe, ungebrochen durch den immer längeren zeitlichen Abstand und unbelastet vom Wust akademischer (Pseudo-) Gelehrsamkeit wahrnehmen.

Motto: History develops, Art stands still. E.M. Forster

do Philosophie: Schulphilosophie lehrt, was richtiges Philosophieren war. Wer aber in der Gegenwart philosophieren will, muss sich von dieser Lehre befreien, nicht ihr anhängen.

Bei dem Begriff von Ganzheit, der dabei im Mittelpunkt steht, lohnt es zu verweilen. Sie zeigt sich sowohl als Ganzheit des Kanons, der die Summe "eminenter Texte" (H.-G. Gadamer) umschließt, als auch als Ganzheit eines Organismus.

Nach der einen Seite hin suggeriert Ganzheit festen Bestand und normative Vorbildlichkeit in der Vergangenheit, nach der anderen produktive Erneuerung in der Zukunft.

Die traditionelle Form, Einheit zu denken, ist der Organismus. De Quincey zum Beispiel versteht unter einer "organischen Wissenschaft" (wie der Ökonomie) eine, die die dialektische Beziehung von Teilen und Ganzem erforscht: "no part, that is to say, but what acts on the whole, as the whole again reacts on each part".

Systemtheorie

Diese Anschauung ist identisch mit der Totalität biblischer Texte, dem Ursprung der Mnemotechnik, noch mehr aber mit der Systemtheorie: Zusammenfassung aller Elemente die aufeinander wirken - Abgrenzung der Umwelt, die nur bei offenen Systemen noch Wirkung auslösen kann, allerdings nur anstossende, nicht zielorientierte.

Das System hat seine eigene Struktur, seine eigene Ordnung, seine eigenen Gesetze, die sich mit anderen Systemen und Regeln nur über Puffer, Kupplungen in Beziehung setzen können. s. Autopoiesis (rekursive Selbstorganisation)

Diese entstammt ursprünglich dem Ingenieurswesen, das im laufe der Industrialisierung immer komplexere mechanische Abläufe zu kontrollieren und zu steuern hatte. s. Kybernetik

Grundelement der Kybernetik ist die Rückkoppelung (1913: Röhren-Verstärker in industriell herstellbar). Dafür ist immer ein Fühler/Messgerät nötig, der den Ist-Wert eines Parameters anzeigt, und ein Sollwert, der als Regelgrösse dienen soll. Nun ist das Problem bei der Steuerung menschlicher Wesen und Gesellschaften dieses, dass sich Sollwerte kaum verlässlich ermitteln lassen, was im technischen Bereich meist keine all zu grossen Anforderungen stellt, und allenfalls mit ein paar zerborstenen Versuchsanlagen zu bezahlen ist. Aber genau das dürfte das Problem sein: Wir können es uns nicht leisten, an der Gesellschaft so rumzuexperimentieren, dass sie dabei zerbirst. (Na ja, einige versuchen's ja dennoch. Rezept meist das Selbe: Mehr Effizienz = weniger Arbeitskräfte = mehr Profit auf der einen, mehr Kosten auf der andern Seite - und alles schön mit grüner Tarnfarbe eingenebelt, damit es nicht so auffällt: Wir schaffen Arbeitsplätze, oder Wohlstand, oder Investitionen, oder .... (irgend was wird wohl immer zu finden sein als Argument).

In der Natur ist die Rückkoppelung zuständig für das Gleichgewicht: Nehmen Beutetiere, z.B. Kaninchen übermässig zu, weil das Gras gut wuchs auf Grund guter Regenfälle und ausreichender Wärme, nehmen in der Folge die Bestände an Raubtieren (Füchse) ebenfalls zu. Vermehren sich die Füchse zu stark, leidet das Angebot an Kaninchen übermässig, und die Fuchsbestände schwinden ebenfalls. (s. Räuber-Beute-Modell. bereits 1925/26 bekannt).

In der Gesellschaft erfolgt die Rückkoppelung durch die Sprache (oder allenfalls das Verhalten, nett bis gewalttätig). Allerdings ist auf die erwünschte Reaktion nicht automatisch Verlass, da Macht und persönliche Interessen die Reaktion stark dämpfen. Gerade beim Arbeitsmarkt funktioniert das sehr schlecht. Weil der Staat das Gewaltmonopol hat, dürfen Arbeitslose keine Firmen anzünden, die ihrer Meinung nach zu viel Geld machen durch Entlassung von Mitarbeitern. Damit sein Gewaltmonopol dennoch intakt bleibt, muss also der Staat den Zorn der Ueberflüssigen so weit besänftigen, dass der Kessel nicht explodiert. Er war bisher damit (s. Sozialstaat, Sozialhilfe) recht erfolgreich, was die Befriedung betrifft. Die Probleme kann er jedoch nicht lösen. Durch zunehmenden Druck werden die Arbeitnehmer darauf trainiert (dressiert, konditioniert), immer härtere Folgen selbst zu tragen, die Verantwortung zu übernehmen für ein wirtschaftliches Konzept, das ihnen als das einzige und einzig vernünftige vorgebeten wird.

Ludwig von Bertalanffy kritisierte das deduktive Verfahren der klassischen Physik und die damit einhergehende isolierte Betrachtung von Einzelphänomenen. Für die Biologie sei diese Methode nicht adäquat. Anstelle von Einzelphänomenen, die in der Realität niemals isoliert aufträten, seien diese Phänomene in ihrer Vernetzung zu beschreiben. Daher setzte er der isolierten Einzelbetrachtung den Systembegriff entgegen, wobei dieser Begriff eine Menge von Elementen und deren Relation untereinander beschreiben soll. Als ein solches Modell betrachtete er die „organisierte Komplexität. (wiki)

Talcott Parsons ist mit einer Handlungstheorie hervorgetreten, hat diese zum Strukturfunktionalismus weiter entwickelt und diesen schließlich zu einer Soziologischen Systemtheorie ausgebaut.

Niklas Luhmann unterscheidet drei besondere Typen sozialer Systeme: Interaktionssysteme, Organisationssysteme und Gesellschaftssysteme. Weiterentwicklung durch Helmut Willke

Anyhow, das geht jetzt doch vielleicht ein bisschen zu weit. Auf jeden Fall waren die ersten Universitäten oder eben dann Hochschulen, die sich auf einen Mehrfachzugang zum Wissen einliessen, die Technischen Universitäten, Polytechnikum (ecole polytechnique) genannt. Die Basis, die gemeinsame Wurzel, war allerdings beschränkt auf Physik und Mathematik - was die Aeste, also die Blätter und vor allem Früchte betraf, hörte die Systemik dort auf, wo es um mehr ging als das Einhalten gesetzlicher Vorschriften. In Land- und Forstwirtschaft allerdings gehörte die ländliche Soziologie zumindest als Wahlfach dazu.

Dort stehen wir eigentlich heute noch, ausser dass die Polytechniken eine Stufe heruntergerutscht sind in der Forschungshierarchie und heute von Fachhochschulen betrieben werden. Wo viel geleert und eben so viel gelernt wird, fragt sich aber immer, ob da noch Zeit bleibt zum Denken. ...

Gerade für den politischen Dialog wäre es wichtig, Dinge nicht zu sehr zu isolieren. Der Diskurs wird so zwar einfacher - aber die Auswirkungen vereinzelter Massnahmen auf das Ganze können leichter vergessen werden. Ganz so universell wie der Begriff Universität es vielleicht nahe zu legen scheint, war die Institution aber nie. Der Begriff ist nämlich bloss eine Verkürzung vom lateinischen universitas magistrorum et scholarium, Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden.

Modernere Definition: Universitäten sind Hochschulen mit Promotionsrecht, die der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften durch Forschung, Lehre und Studium dienen, ein möglichst umfassendes Fächerspektrum (Universalität) bieten sowie ihren Studenten wissenschaftsbezogene Berufsqualifikationen vermitteln sollen.

Bedeutungen des Begriffs Universität/universitas:
  1. allgemein: das Ganze, die Gesamtheit, der Inbegriff aller Dinge eines Ganzen
  2. physisch/materiell: die Welt, das Weltall, die Gesamtheit der Dinge
  3. sozial: das Kollegium, die Gilde, die Kommune, die gesellschaftliche Gesamtheit

Wir ersehen daraus auch, dass die Diskussionen darum, wer sich nun "Universität von unten" nennen darf, eine linke Splittergruppe in Basel oder die Studenten und Assistenten in Zürich (inzwischen umgetauft in euseri Uni), recht müssig sind, denn bei beiden handelt es sich um nichts, was universellen, also ganzheitlichen, gesamtheitlichen Ansprüchen genügt. Im Falle der Univesitätsangestellten und Studenten ist der Begriff noch eher haltbar, da darunter dann eben die unteren Schichten dieser Institution verstanden werden können, die nicht elitäre Basis (die elitäre wären dann die Professoren, die aber erst dann unten stehen, wenn es um das zu erstrebende Wissen geht, dessen unwegige Gebirge es zu stürmen gilt). Eine Universität von unten im Sinne einer Kommune (die allenfalls nach Wissen strebt), macht das Problem deutlich, dass Lebensstil und Lebensart nicht eine Sache des Wissens, sondern des persönlichen Entscheides (und Schicksals) sind. Zudem und vor allem äusserst individuell, allenfalls mit Gruppenkonsent (Einwilligung/Uebereinstimmung - auch per Mehrheitsprinzip) - nicht immer Konsens (Entscheidungen im Konsens verlangen keine offenkundige Zustimmung, aber offene Ablehnung. Alle Gruppenmitglieder müssen einverstanden sein, oder bereit sein, ihre abweichende Meinung, bzw. ihre Bedenken gegen die zu treffende Entscheidung aufzugeben oder zurückzustellen. Sie tragen dann die Entscheidung trotz ihrer Bedenken mit. Kein Mehrheitsprinzip, alle müssen zustimmen.). Eine universelle Lebenseinstellung zu postulieren wäre totalitär ... und Totalitarismus jeder Art kann mich mal ....

Kulturanalyse vorherrschendes System: Kapitalismus: Gut ist, was rentiert. Problem: Nicht alles was nicht rentiert ist wirklich überflüssig oder gar schlecht.

  1. Gestaltung: Finanzmanagement: Gut ist, was Profit bringt
  2. Regulierung: Politik: Gut ist, was Steuern bringt
  3. Auftrag: Kapital: Gut ist, was Profit bringt(, Ehre und Wohlstand).

Der Dreiklang hat die sog. Soziale Marktwirtschaft ermöglicht, die Einfalt, nur noch Profit, ruiniert das System. Laut dem Begründer der freien Marktwirtschaft, Adam Smith, wirkt im Markt ja die sog. "unsichtbare Hand". Diese wurde meist als göttlich, also automatisch, zufällig (stochastisch) - aber auf keinen Fall staatlich - interpretiert, was aber Unsinn ist, denn die Lektüre von Smith ergibt ganz klar, dass er damit die gesellschaftlichen Einflüsse meinte, insbesondere Log und Tadel, Anerkennung und Rüge etc. Er war also der Letzte, der dem Unternehmer volle Freiheit zugestanden hätte, unabhängig vom Wohle des Volkes, unberührt von der Volksmeinung zu agieren. DAS Problem mit dem Kapitalismus ist also vor allem die Einfalt, die nicht nur vorhanden ist, sondern gar noch gepredigt wird. Wie in der Oekologie müsste auch die Oekonomie so nach und nach erkennen: Vielfalt macht das Leben reich - nicht Einfalt.

In der Bildung herrscht einerseits zwar reiche Vielfalt bei den Anforderungen, die zugleich masslos übertrieben werden (s.u.), andererseits aber auch Einfalt, weil nur noch verwertbares Wissen zählen soll. Dummerweise ist dieses Wissen meist  für andere verwertbar, während dem der Anbieter mit dem Wissen gleich auch seine Haut zu Markte trägt.

Anforderungen an das Wissen bei Erreichen der geistigen Reife (Matura):

Realität heute: Die drei Hauptfunktionen der Schule

[s. Der Mensch zwischen Anpassung (Frustration) und Selbstverwirklichung (Kohärenz): Was ist das Menschenbild, das ideale Menschen-Modell?]

Funktionswissen: Forderungen der Arbeitgeber, Umfrage economiesuisse:

Grau bezeichnet das gegebene Leistungsniveau - orange das von den Arbeitgebern erwünschte. Bereits von daher ist eigentlich klar, dass die Arbeitgeber viel höher Anforderungen stellen, als das, was Schule und Schüler überhaupt bringen können. Sie üben also Zwang aus. Das Interesse an Englisch und Mathe ist bei der Mehrheit vorhanden, das Interesse an weitern Sprachen, inklusive Muttersprache, ist geringer. Es ist aber verständlich, dass mathematische Interessen meist zu sprachlichen eher quer laufen. Das Problem bei der Wirtschaft ist vor allem, dass es sich hier eher um die Festschreibung einer Ordnung handelt, also Propaganda, als wirklich um suchende und kritische Wissenschaft. Oekonomie ist ein Sammelsurium von Wissen, das den grossen Vorteil der Berechenbarkeit bietet, die auch rhetorisch genutzt wird - was natürlich nur geht, wenn man sprachlich dazu fähig ist.

Also was hier eigentlich von den Schülern verlangt wird, ist, dass sie Universalgenies sind, an der Praxis orientiert (also jederzeit bereit, theoretisches Wissen über den Haufen zu werfen, wenn der Chef oder der Markt das verlangt) - aber dennoch unterwürfig, mit höchster Wertung von Disziplin, Respekt gegenüber den Vorgesetzten. Die Motivation dürfen sie auch nie verlieren, auch wenn sie beliebig rumgehetzt werden und immer wieder von vorne anfangen müssen. Verantwortung, Zuverlässigkeit, Engagement - alles soll überdurchschnittlich sein - bloss nicht die Lohnforderungen. Die Antwort ist einfach: Wer Durchschnittlich zahlt, kann keine Ueberdurchschnittlichkeit verlangen.

UN-Millenniumsziele:

  1. Bekämpfung von extremer Armut und Hunger
  2. vollständige Primarschulbildung für alle Jungen und Mädchen
  3. Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
  4. Reduzierung der Kindersterblichkeit
  5. Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern
  6. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
  7. Ökologische Nachhaltigkeit
  8. Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft

Nicht wirklich ein Wissensproblem, insbesondere da nur EXTREME Armut und Hunger bekämpft werden soll. Ungleichheit bleibt also. Nachhaltigkeit wird nur im ökologischen, nicht aber im sozialen Bereich gefordert, eine schwere Lücke, denn dort entstehen die Probleme. Die globale Entwicklungspartnerschaft ist unter den gegebenen Verhältnissen des globalen Marktes und globalen Wettbewerbs ein Witz. So fordert z.B. die Entwicklungszusammenarbeit, dass Drittweltländern Medikamente und neue Patente gratis zur Verfügung stehen sollen. Einerseits. Das traditionelle, wettbewerbsorientierte Modell basiert aber darauf, dass einige Länder zwar nicht mehr von Landwirtschaft, nicht mal mehr von Industrie leben können, sondern von Dienstleistungen, dort also Spitzenleistungen bringen müssen, die sie dann teuer verkaufen können. Wenn sie genau diese Leistungen aber aus humanitären Gründen gratis abgeben, dann ist das Konzept tot, von zwei Seiten abgebrannt: Die Reichen, die für die Armen zahlen sollen, haben auch kein Geld mehr. Die Armen können etwas mehr erwirtschaften, können damit aber die Forschungskosten nicht bezahlen, also die Forschung auch nicht weiterführen. Da kommt dann von links sofort die globale Solidarität, die kein Geld und keinen Markt braucht, weil alle für alle gratis arbeiten und gratis leben. Patent, ist aber nicht leicht zu organisieren, d.h. es ist bis anhin noch nie gelungen, müsste also im Kleinen starten, z.B. mit Kommunen ... aber das hatten wir doch schon mal, nicht?

Die Entwicklung eines global, wie national, wie regional, wie lokal, wie persönlich verträglichen Wirtschaftssystems ist also immer noch offen. Da ist weit und breit kein Ende der Geschichte in Sicht. Im Gegenteil, hier stehen wir erst am Anfang.

Wissen in der Wissensgesellschaft?

Der Begriff Wissensgesellschaft bezeichnet eine Gesellschaftsformation in hochentwickelten Ländern, in der individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation vermehrt zur Grundlage des sozialen und ökonomischen Zusammenlebens wird. Der Begriff löst die davor als Informationsgesellschaft bezeichnete Struktur ab. Rein theoretisch müssten die heutige Gesellschaft also nicht mehr auf ungeprüften und nicht vernetzten Informationen, sondern auf geprüftem und zu Strukturen, ev. gar Systemen verbundenem Wissen basieren.

Während dem für die Informationsgesellschaft noch die Informations- und Kommunikationstechnologie entscheidend war (vor allem zwecks Verbreitung der Werbebotschaften auf der einen, zwecks rationaler Verarbeitung der Betriebsdaten auf der anderen Seite (s. ERP), wurde für die Wissengesellschaft

Während der Begriff der Informationsgesellschaft die praktische Seite z.B. der in Unternehmen geforderten Informationen zur praktischen Anwendung betont, fokussiert der Begriff, der Wissensgesellschaft darauf, dass das gesellschaftliche Leben in zunehmendem Maße durch die Ressource Wissen bestimmt wird.

Der Begriff der Wissensgesellschaft wurde unter anderem 1966 vom amerikanischen Soziologen Robert E. Lane verwendet („knowledgeable societies“). Daniel Bell, ebenfalls amerikanischer Soziologe, popularisierte das Konzept der Wissensgesellschaft 1973 mit seiner Studie The Coming of Post-Industrial Society. A Venture in Social Forecasting. Er versuchte darin zu zeigen, dass theoretisches Wissen die wichtigste Ressource der post-industriellen Gesellschaft darstelle, während in industrialisierten Gesellschaften Arbeit, Rohstoffe und Kapital die zentrale Rolle spielten. Nach Daniel Bell lässt sich der Strukturwandel der Gesellschaft auf ökonomischer Ebene an der Entwicklung zur Dienstleistungsökonomie und in kognitiver Hinsicht an der Einbeziehung von Wissenschaft und Wissensarbeit in die Produktion selbst beobachten.

Als einer der ersten Ökonomen prägte Peter Drucker die Begriffe der „Angestelltengesellschaft“ (1950), des „Wissens- und Kopfarbeiter“ (1960) beziehungsweise den der „Wissensgesellschaft“ (1969).

Im Unterschied zu den Diskussionen der 1960er Jahre problematisieren die Debatten bezüglich der Wissensgesellschaft ab Ende des 20.Jahrhunderts auch den globalen Charakter der beobachteten Rationalisierungsprozesse und die Zunahme von Nicht-Wissen in der Wissensproduktion und damit verbundene Unsicherheiten, Risiken und Paradoxien. Gerade der Ansatz von Beck, die Risikogesellschaft oder die Bürgergesellschaft zeigen, dass mit dem Wissen auch das Nichtwissen, die nicht erwarteten Folgen - aber auch die privaten und gruppenspezifischen willkürlichen Wünsche und Forderungen zugenommen haben. Wozu das eindeutige Mehr an Wissen also eben so eindeutig nicht geführt hat, ist mehr Sicherheit, mehr Verlässlichkeit bei Entscheidungen, besonders politischer und wirtschaftlicher Art. Gerade reziprok verhält sich diese Entwicklung des Wissens zum Wissen das von der Gesellschaft geteilt wird. Teilhard de Chardins Vision einer völligen Vernetzung der Menschen und die Wandlung der Erde von einer Biosphäre in eine Soziosphäre ist kritisch, da genau diese Unmassen an Wissen erst mal eher dazu zu führen scheinen, dass sich jeder, jede und jedes Grüppchen im Web genau diejenigen raussucht, welche die selbe Meinung vertreten (s. Netzwerke). Die Erde verwandelte sich demnach noch lange nicht von einem Biotop in ein denkendes Wesen, dem Ziel unserer Evolution nach Teilhard: Dem Zusammenwachsen der Einzelwesen zu einem großen Gemein-Wesen, die er als Noosphäre bezeichnet.

Können

Können heisst, etwas zu Stande bringen können, ein Potential haben und nutzen können. Wiki interpretiert Können unter dem Begriff Vermögen, oft auch als Kapital benannt: Ein Synonym für aktive Potenz: Vermögen (Leistungsfähigkeit) hat, wer etwas zu tun vermag. Nicht nur Individuen haben Vermögen, sondern ebenso wird auch Gruppen oder Gesellschaften ein Vermögen zugeschrieben.: Mit Pierre Bourdieu ließe sich Vermögen als verinnerlichte (inkorporierte) Kultur begreifen. Inkorporiertes Kulturkapital bildet zusammen mit Objektiviertem Kulturkapital (beispielsweise Besitz von Büchern, Bildern und anderen Kulturgegenständen) und Institutionalisiertem Kulturkapital (Titel und Stellen) das Kulturelle Kapital einer Person.

Die bedeutendsten Wissensbereiche aus philosophischer Sicht:

  1. Logik (- Mathematik: Statistik, )
  2. Rhetorik/Kommunikation
  3. Geschichte/Kultur
  4. Rechtssysteme/Ordnungssysteme/inklusive Wirtschaftssystem, das die Gesellschaft am stärksten formt (s. auch Eunomie, Die gute Ordnung)
  5. Gesellschaft
  6. Selbsterkenntnis/Psychologie: Es ist interessant, dass das alte gnothi seauton - nosce te ipso der Römer, heute eigentlich meist auf die Andern, auf die Masse angewendet wird, deren Verhalten man berechenbar will, besonders das Einkaufsverhalten. Auch hier wird, trotz fast extremem Individualismus, die Passung in die Modeströmungen des Massenwollens wichtiger als das Wissen um sich selbst und die Entfaltung des Selbst.

Wissensbereiche nach Bedeutung, d.h. nach Gebrauch (Funktionsgedächtnis) oder Nichtgebrauch (Speichergedächtnis)

Speicherwissen/-Gedächtnis: Kulturelles Gedächtnis und - Die Wissenschaften - aufgeteilt in Disziplinen. Die Interdisziplinarität als zusammen wirken, jedoch kaum als zusammen denken, einheitliche Denk- und Wertstruktur.

Nach Assmann enstpricht also das als Wissen und Können inkorporierte Kulturkapital dem Funktionsgedächtnis, das nicht inkorporierte dem Speichergedächtnis. Leider ist es nun auch nicht ganz wurscht, ob dieses Speichergedächtnis in einem Museum oder sonstigem öffentlichem oder privatem Ort rumliegt, denn es ist z.B. das Speichergedächtnis in Form von Büchern das zuhause rumliegt, welches gemäss verschiedener Untersuchungen des Intelligenzquotienten sich auf denselben eben besonders fördern auswirkt. Je anregender die Umgebung in früher Jugend für den Geist, desto besser kann er sich entwickeln. Ebenso lässt sich das Sozialkapital und die damit verbundene soziale Intelligenz natürlich nur in einem entsprechenden Umfeld entwickeln, besser, sie entwickelt sich halt entsprechend dem Umfeld. Der Einfluss der Schule, insbesondere des Schulwissens oder gar rechtlicher Normen ist hier weitaus geringer.

Es ist also logisch, dass eine allgemeine Schulpflicht, ja sogar freier Zugang zu den Universitäten, dennoch nicht zu einer einem demokratischeren, gerechteren Verteilung des Wissens (und der daran gebundenen Stellen) führen würde. Die Prägung durch soziale Milieus und gesellschaftspolitische Lager bleibt bestimmend. Analysieren wir die sog. Wissengesellschaft auf dieser Basis, kommen wir doch zu ein paar interessanten Erkenntnissen:

Auch die gesellschaftspolitischen Lager mögen nicht mehr Optimismus zu wecken:

Das skeptisch-distanzierte Lager ist, eben, skeptisch und distanziert, glaubt längst nicht mehr daran, dass Politik vernünftig sei und zu guten Lösungen führe, sieht darum auch wenig Anlass, sich gross darum zu kümmern.

Das konservative Lager weiss, was gut und recht ist. Da gibt es keine Diskussion, und auch nichts zu lernen.

Das enttäuscht-autoritäre Lager hofft immer noch auf den starken Mann, ist aber von der Serie von Polit-Clowns und Schauspielern die es in den letzten Jahren erleben musste und muss, ebenfalls frustriert. Gölä (Ausdruck für "grosse Schnauze" im Schweizerdeutschen, übernommen aus dem Französischen: ta geule!: halt die Klappe!) fehlt hier gerade noch ...

Die Probleme bleiben am sozialintegrativen Lager hängen. Das mag zu erklären, warum die Diskussionen um Integration und Anpassung derart "hängen": Es ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der sich ernsthafte Ueberlegungen dazu macht, der Rest trötet hohle Parteiparolen.

s. auch individuelle Prägung durch unterschiedliche Einflüsse, Lebensstil, Lebensraum, und Lebenswelt.

Systemische Co-Disziplinarität

[Zur Begriffsbildung von Inter-, über Kon- bis zur Transdisziplinarität und anderen Formen s. Balsiger]

Heuristik: Wie bereits 'Amr ibn 'Othman al-Makki vor 1200 Jahren wusste, besteht Wissen(schaft) aus zwei Dingen: Der Frage und der Antwort. Ist die Frage falsch oder ungeschickt gestellt, dürfte die Antwort nicht viel besser ausfallen. Bei der heutigen Zergliederung der Wissenschaften in, eben, Wissenschaften, Disziplinen, Fakultäten und Professuren schlägt meist die Intention der Institutionen durch (ihrer Leiter, falls sie berühmt und einflussreich genug sind), eine Evaluation auf wissenssystemischer Basis ist jedoch eher selten und meist oberflächlich, eben sekundär. Ein objektiver Ansatz müsste mit den drei Fragen beginnen:

  1. Was sind die Kernfragen, Kernprobleme? (Warum?)
  2. Also welches Wissen brauchen wir zur Beantwortung dieser Frage(n)? (Wie lösen wir das Problem?)
  3. Wo finden wir dieses Wissen, in welcher Wissenschaft, Disziplin, bei welchem Personenkreis oder gar Experten (Wer?)

Daraus entwickeln sich automatisch die nächsten Anschlussfragen:

    1. Wie weit reicht das System? Wo sind seine Grenzen? Was ist die optimale Komplexität - woraus die die wichtigsten Wissensdomänen ergeben.
    2. Hierarchisierung/Wertung/Gewichtung/ Selektion/Verortung: Welche Aspekte sind dominant:
      1. naturwissenschaftlich-technische Berechenbarkeit
      2. soziale, menschliche Konsensfähigkeit
      3. finanzielle Berechenbarkeit

Und der Lösungsansatz:

  1. Notwendige Wissenstrukturen beteiligen (Wer)
  2. Modell soll nicht als Propaganda auftreten, sondern ganz klar und kalt, eben wissenschaftlich, erklären, welche Variante wie viel Aufwand bringt, welchen Ertrag und welche Risiken. Risikoabschätzung ist heute recht gut machbar. Unsere Versicherungen gedeihen, trotz grosser Probleme und steigender Versicherungsfälle durch Unwetter und Naturkatastrophen. Mit ähnlichen Modellen lassen sich statt Kosten - Risiken schätzen: Beispiel, akute Fragen: Warum werden Atomkraftwerke vom Staat versichert? Wie steht es um die Risiken in Forschungsbereichen wie Stammzellenforschung, Gentechnologie, Nanotechnologie, Kernforschung ... Wie ist das mit der Systemrelevanz von Privatunternehmen? (WIE)
  3. Risikoabschätzung/Iteration: Wertung basiert auf Wirkung, die erwartet wird, aber eigentlich erst geprüft werden müsste, da sie sich bei komplexen Systemen eben nicht errechnen lässt, sondern von einigen Zufällen abhängt. (Wie/Was - und erst dieses Was eröffnet die Diskussion um die Praxis, den (allenfalls privatwirtschaftlichen) Auftrag zur Realisation)

Neuansatz zur Strukturierung von Wissen *: Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  1. Ursachenwissen (A-B): Materie

Fakten (theoretische Philosophie, Naturwissenschaften), die stimmen müssen, gegeben sind, die wir so nutzen können wie sie sind, aber nicht verändern, also die naturwissenschaftlichen Tatsachen wie Erkenntnisse über gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische etc. Zusammenhänge. Kausale Bedingungen. causae

  1. Gestaltungswissen (B1-2): Leben & Wille

Intentionen (praktische Philosophie, Politik, Ethik) die wir frei wählen können, Angelegenheiten des Willens, also speziell Ziele für die Zukunft. Diese sind nur soweit frei wählbar, als wir uns mit den Bedingungen von 1. arrangieren können. causa finalis / phronesis (Schöpferische Philosophie: Technik, Politik, NGOs, Grassroots, Thinktanks, Presse etcetc.), der Aushandlung, der Abstimmung, der Vertragsbildung - in Politik und Wirtschaft. Hier ist darauf zu achten, dass nur die Intentionen fluide sind, die Fakten aber Fakten bleiben.

    1. Normen über die wir unsere freie Wahl mehr oder minder freiwillig beschränken, nach dem Motte: Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Auch diese gehören zu den causae finalis
    2. Werte, die wir anerkennen, glauben, begründen, oder einfach im Dialog übereinkommen
    3. Ziele - über die wir uns in einer Demokratie immer dann einigen müssen, wenn sie andere in Mitleidenschaft ziehen.
  1. (Gestaltungs-)Orientierung: Wertewissen/Wertorientierung (B3): Geist & Orientierung

Kulturelle Prozesse der Gestaltung, Modellbildung und Verhandlung Konsens-/Sinnfindung - im praktischen Feld über Funktionswissen, im Orientierungsfeld nur über umfassendes Speicherwissen.privater-gesellschaftlicher Horizont, lokaler Horizont - Welthorizont, Zeithorizont

Hier haben wir heute ein Loch, dass die noch bestehenden Religionen mit viel Geschrei zuzudecken suchen, das aber längst vollständig von meist recht obskuren Anbietern von Esotherik, Spiritismus, Heilslehren und Aberglauben besiedelt ist.

* Vergleich und Abstimmung mit kategorischem Ansatz zu einer Ontologie von "brainworker" und der letzten Analyse unter Methodik und Verortung des Denkens und der Vernunft s. unter KOMPILATION: Orientierungs- und Entwicklungswissen.

[Martin Herzog, Basel, 10.8.2010]