Topologie
der Denkräume, Wirkungsräume, Wirklichkeit - und ihrer Zwischenräume[Patrick Frei: Grundfragen der Kategorienlehre. Untersuchungen zum Wesen und Umfang der Kategorienlehre sowie zur Begriffslehre der Schullogik und der chinesischen bzw. geheimwissenschaftlichen Logik. Diss. ocasi. Basel. 1999
HW: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrsg: Ritter; Gründer; Gabriel. Schwabe.
H1: Nicolai Hartmann: Teleologisches Denken. Gruyter. Berlin. 1951
H2: Nicolai Hartmann: Die Erkenntnis im Lichte der Ontologie. Felix Meiner. Hamburg. 1982
HK: Herrmann Krings: Fragen und Aufgaben der Ontologie. Max Niemeyer, Tübingen, 1954.
L: Emil Lask: Die Logik der Philosophie und die Kategorienlehre. Eine Studie über den Herrschaftsbereich der logischen Form. Mohr, Tübingen, 1911
R: Otto Rein: Schellings Kathegorienlehre. Neue Deutsche Forschungen. Abteilung Philosophie. Junker und Dünnhaupt. Berlin. 1939]
| Dies aber ist das Wesen der Ontologie: nach Grund und Möglichkeiten des Seienden zu fragen, seinen Ursprung und seinen Sinn im Denken aufzuhellen und so dem Seienden zu seiner ursprünglichen Einheit und Wahrheit zu verhelfen. HK S. 1 |
Ontologie und Kathegorienlehre sind vermutlich, abgesehen von analytischer Philosophie, so etwa das Mühsamste was die Philosophie bietet. Eigentlich gibt es sie ja auch gar nicht mehr, denn sie ist so ziemlich präzise der Kontrapunkt zum Positivismus und Scientologie (also nicht die abstruse Sekte, sondern als Glaube an die Herrschaft der Wissenschaft), also Szientismus.
Dergleichen wurde einem bereits vor 30 Jahren unerbittlich wie hinterlistig ausgetrieben. Ich erinnere mich noch an eine "Vorstellung" in der Biologie (Math. Natw. Gymnasium Basel, ca. 1973). Es ging darum, den Unterschied zwischen <wissenschaftlich> und ... na eben dem Rest zu erklären. Da war also einerseits der Positivismus, der so "positiv" dargestellt wurde, dass man natürlich gleich Positivist sein wollte (was ziemlich schief ging). Philosophie dagegen wurde mit dem Beispiel "Ontologie" gleich niedergemacht. Wir hatten etliche Mühe, beim Sezieren von Würmern und Fröschen und dergleichen die "Bestandteile" des Lebens, also die Organe, überhaupt nur zu finden. Jegliche Wissenschaft, ernsthaft betrieben, bringt zwar die Freude der Erkenntnis, ist aber auch extrem mühsam. Ein Befund der sich noch mehrfach bestätigen sollte (s. Baumphysiologie). Nun kommen da, im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, die sich mit einen kleinen, klar abgegrenzten, mit sauber definierter Begrifflichkeit und Methodik studierten Bereich befassen, die Philosophen, und reden nicht etwa von einer Froschpopulation (Sache der Ethologie) sondern gleich von der Erkenntnis des Seins, von der Seinslehre, eben der Ontologie. Was für ein Anspruch! Was für eine Ueberheblichkeit!! Was für eine ineffiziente, unergiebige, also unrentable Tätigkeit!!!
Nun gut, 35 Jahr später (hat lange gedauert) seh' ich allerdings auch, dass eine Weltschau bloss aus dem kleinen, begrenzten Bereich heraus, eben der wissenschaftlichen Disziplin, keine Weltschau ist sondern Nabelschau. Gerade die Ontologie ist vermutlich der Bereich, der Philosophie vor-strukturiert. Damit ein problematischer Bereich, denn einerseits "macht" (strukturiert) der Philosoph die Ontologie, insbesondere die Kategorien, andererseits bestimmen genau diese sein Denken. Er kann sich und seine Philosophie also nur schrittweise, reflexiv, iterativ entwickeln, was eigentlich heisst: organisch. Das macht die Sache für Zuschauer und Interessenten etwas mühsam, da praktisch nie ein fertiges Resultat vorliegt.
Ontologie ist die Lehre vom Sein generell, befasst sich also mit Fragen des Seins - und des Nichts, der Existenz oder Abwesenheit des Guten, Schönen, Bösen etc. und der grundlegenden Frage: Was ist der Mensch?
Ontologie analysiert die Frage nach Teil und Ganzem, nach Abgrenzung und Zuordnung, bildet also eigentlich die Grundlage der Mengenlehre, der Verortung, der Topologie des menschlichen Lebens. Man nennt diesen Ansatz, die Lehre vom Teil und dem Ganzen, Merologie, die eigentlich zur Mathematik gehört. In der Topologie geht es um Orte und Felder, um Verortung in Räumen wie Bildung von Räumen. Die Merotopologie untersucht die topologischen Beziehungen zwischen Ganzheiten, Teilen und den Rändern der Teile und ist vor allem bedeutend in der Wissenspräsentation
Heute werden in der systematischen Philosophie die Ausdrücke „Ontologie“ und „Metaphysik“ zumeist gleichsinnig gebraucht.
MetaphysikMetaphysik behandelt die Dinge jenseits dessen, was wir greifen können, also des physischen. Metaphysik ist oft fast ein Synonym für theoretische Philosophie. Ihre Themen sind die Beschreibung der Fundamente, Voraussetzungen, Ursachen oder „ersten Gründe“, der allgemeinsten Strukturen, Gesetzlichkeiten und Prinzipien sowie von Sinn und Zweck der gesamten Wirklichkeit bzw. allen Seins. Die Kritik an der Metaphysik setzt allerdings, nicht ganz zu unrecht, dort an, wo sie ihr eigentliches Ziel sieht, also sog. letzte Fragen aufgreift wie: Gibt es einen letzten Sinn, warum die Welt überhaupt existiert? Und dafür, dass sie gerade so eingerichtet ist, wie sie es ist? Gibt es einen Gott und wenn ja, was können wir über ihn wissen? Was macht das Wesen des Menschen aus? Gibt es so etwas wie „Geistiges“, insbesondere einen grundlegenden Unterschied zwischen Geist und Materie? Besitzt der Mensch eine unsterbliche Seele, verfügt er über einen Freien Willen? Ein grosser Teil dieser Fragen tönt für uns heute recht absurd ... aber, nehmen wir die letzte, ist dem doch nicht immer ganz so. Heute versucht die Hirnforschung diese Frage zu beantworten, und verirrt sich gleich total im Sumpf. Hier braucht es immer wieder ein Denken das über das rein wissenschaftliche hinaus geht, sich von den Labormethoden und -Rezepten löst.
Allerdings drängt auch die Absage an jede monistische Lösung, bedingt durch die Notwendigkeit pluralistischer Gesellschaftsmodelle, auf eine Aufgabe der Suche nach dem letzten oder höchsten Sinn des Lebens. Die letzte Erklärung, warum es Sein gibt, warum es Welt gibt, warum es Materie gibt, ist ebenfalls eigentlich metaphysisch, wird aber je länger je mehr von der Astronomie (nicht Astrologie!) aufgenommen, die ähnlich unverständliches produziert wie früher die Metaphysik, nämlich Stringtheorien, Schleifen-Quanten-Gravitation, samt einer Grossen vereinheitlichenden Theorie. > zum Einstieg Die allgemeine Metaphysik hat von allen Wissenschaften die höchste Abstraktionsstufe; sie fragt nach den allgemeinsten Kategorien des Seins und heißt deshalb auch Fundamentalphilosophie. Sie beschäftigt sich damit, was Dinge, Eigenschaften oder Prozesse ihrem Wesen nach sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Sofern sie das Seiende als Seiendes untersucht, spricht man von Ontologie bzw. Seinslehre. Grundlegende Fragen wie etwa die nach der Bedeutung des Geldes lassen sich also auch nur beantworten, wenn wir Metaphysik zulassen, zumindest quasi als Wissenschaftskritik, als Kritik von Kategorienfehlern und Kategorienimperialismus. |
Für die Philosophie hat das Denken nicht nur die Aufgabe, Teile zu analysieren oder logisch in Verbindung zu setzen und Schlüsse zu ziehen, sondern, wie Literatur und Psychotherapie, eine kathartische (reinigende) Funktion, insbesondere bei Platon. Philosophie sollte nicht nur die wahre Ordnung der Dinge erkennen, sondern auch Ordnung schaffen, jene Ordnung, die das Seiende selbst im Keime birgt. Sapientia est ordinare. (Wissen(schaft) heisst ordnen).
Wo allerdings eine Ordnung vorgegeben ist, ist dies logischerweise nicht mehr möglich, was insbesondere für religiöse Ordnungen gilt. Ursprüngliches Entdecken ist hier nicht mehr möglich, da die Wahrheit bereits offenbar(t) ist. Wenn, laut Nietzsche, dieser Gott allerdings tot ist, fehlt auch die Ordnung und die Wahrheit, womit wir mehr oder weniger glücklich im 20. JH angelangt wären.
Was das Sein des Menschen ausmacht, ist kurioserweise etwas, das eine klare Bestimmung seines "Seins" als Sosein verhindert, nämlich die Freiheit. Aus der Freiheit zu wählen, und dem Willen, die Wahl zu realisieren, die Entscheidung zu verwirklichen, entsteht etwas Neues, etwas, das vorher nicht da war. Und das, was am Ende der Wahl da steht, ist das, wozu der Mensch frei ist, was sein Handeln ausmacht. Wählen ist Freiheit, nicht wählen, andere für sich wählen lassen, sich fügen, anpassen, ist Unfreiheit.
Der Rest des Büchleins von Krings ist dem Begriff Lauterkeit gewidmet, eine Leidenschaft, die seltsam anmuten kann, aber durch unsere trüben Vermischungen im Interesse des Ganzen deutlich wird (s. folgendes Bild)
Kategorien können eigentlich nicht gemischt werden. Gerechtigkeit verträgt sich nicht mit Wettbewerb, dem Recht des Stärkeren, Schnelleren, Hinterlistigeren. Man kann die Widersprüchlichkeit unverträglicher Kategorien sehr gut aphoristisch ausdrücken wie im Satz der Pazifisten: Fighting for peace is like fucking for virginity.

Der Karikaturist Burkhard Fritsche zur neuen Jamaica- oder Tigerenten-Koalition in Deutschland
Definition der Lauterkeit:
Lauterkeit bezeichnet eines der Merkmale der Ehrlichkeit (neben Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit).
Das zugehörige Adjektiv lauter hat zwei Bedeutungen:
Ein Mensch wird lauter genannt, wenn sein Handeln und Sprechen nicht vermischt ist mit nebenherlaufenden verhohlenen Absichten, sondern der wahrhaftige Ausdruck dessen, was er denkt und beabsichtigt.
Er täuscht also kein Dasein vor, dass gar nicht da ist.
Eine Bedrohung der Lauterkeit tritt dann ein, wenn der Mensch Mängel im eigenen Dasein nicht anerkennen, nicht tragen, nicht bewältigen will. Lebensneid und Lebenslüge sind die Kontrapunkte zur Lauterkeit. [nach HK S. 123/4]
Eine solch reine Entwicklung bedingt aber auch, dass das Umfeld stimmt. So kann aus einer Eichel nie eine Buche, aus einer Buchecker nie eine Eiche heranwachsen, aber nur bei ausreichend tiefem und gutem Boden sowie der richtigen Beschattung (viel für Buche, wenig für Eiche) die jeweilige Art zu dem heranwachsen, was in ihr angelegt ist. Dafür sieht Krings 3 Möglichkeiten:
Das Dämonische wird auch als Besessenheit beschrieben. "Positiv" widerfährt diese oft Künstlern, Erfindern, Genies, die gleichsam von einer Idee ergriffen werden - statt sie zu ergreifen. Gerade bei Goethe wird der Dämon zum guten Geist der produktiven Tätigkeit. Allerdings betrachtete er sich selbst nicht als dämonisch, wohl aber Napoleon, Lord Byron, Mirabeau und Paganini, den Teufelsgeiger. Häufiger allerdings handelt es sich bei Besessenheit eher um den Verfall des Denkens, wenn Menschen Zuflucht suchen im Unergründlichen und Unerklärlichen, in der Esoterik z.B. oder, noch zerstörerischer, in der "Bewusstseinserweiterung" durch Drogen - speziell heute der Droge <Geld>, deretwegen wir für jegliche Verbiegung und Entfremdung zu haben sind.
Ohne Ontologie und Ueberlegen zu den Strukturen der Sprache, damit des Denkens, der Ordnung im Kopf, damit der Ordnung in Familie, Stadt, Nation und Welt, wird diese durch Zufall und - nein, nicht Notwendigkeit, sondern - Macht definiert. So kam es, dass heute praktisch nur noch monetäre Werte von Wert sind, der Rest aber mehr und mehr an Schule, Polizei und Gerichte delegiert wird.
Die Ordnung der Macht ist nicht die Ordnung des Sinnes. Sie mag sinnvoll scheinen, aber sie macht nie den Sinn des Seins aus. Dieser ist nämlich nicht Ein- und Unterordnung, sondern Entwicklung.
Hier hat der Neokonservativismus eine eben so geniale, wie interessante, aber auch hinterlistige Ordnungslösung gefunden: Das ganze Weltenrad (oder besser die Weltmaschine mit ihren unzähligen Rädern) wird immer schneller gedreht durch Innovation, Restrukturierung, Flexibilitätsforderungen, so dass keine(r) mehr ruhig stehen und mal kurz nach-denken kann. Nur noch vor-denken gilt, ein Vor-Denken dem die Anderen dann gefälligst folgen sollen, da sie entweder dafür bezahlt sind, oder bezahlt werden möchten, insofern arbeitslos oder sonstwie nicht "marktverwertet" (marktintegriert). "Rotieren" sollen aber bloss die Anderen, die Herrschaft soll ganz ruhig bleiben, weiter die Ueberschüsse sammeln, wachsen und gedeihen, und vor allem, Herrschaft bleiben.
Was noch wichtig ist? Geld.
Punkt.
Kategorialanalyse, gleichbedeutend mit Kategorienforschung, ist ein zentraler Terminus der Philosophie, speziell der Ontologie als einer an echter, legitimer und ganzer Mannigfaltigkeit der Phänomene interessierten <philosophia prima>. Sie benennt die Aufgaben der Philosophie als Aufweis, Erhellung und Gültigkeitsnachweis der Prinzipien des Konkreten, der Grundbestimmungen des Seins, welches sich in vier Seins-Sphären (Realität, Idealität, Erkenntnissphäre und logische Sphäre) und innerhalb dieser in jeweils spezifische Seins-Stufen und Seins-Schichten gliedert. Dabei ergeben sich grundsätzlich zwei Hauptgruppen von Kategorien, bzw. Seins-Bestimmungen:
Als philosophische Methode verfügt die Kathegorienlehre über 4 aufeinander bauende und zusammenhängende Verfahrensweisen:
Definition Kategorie: Das Wort entstammt dem Griechischen, wo es "Anklage" bedeutet. Man kann dies so erklären: Eine Anklage basiert auf einem Vergehen - gegen ein bestehendes Gesetz. Beide Punkte sind notwendig, das Gesetz, also die gesetzte Norm, und das Vergehen dagegen. Die philosophische Anklage klagt nun nicht wegen eines Verstosses gegen das Gesetz des Staates, sondern gegen einen Verstoss gegen die Regeln der Wahrheitsfindung. Und die Verbiegung von Kategorien, oder grad die Verwendung völlig falscher Kategorien (Kategorienfehler), ist die einfachste und gebräuchlichste - und dennoch hinterlistigste Methode der Eristik.
Einerseits. Andererseits kommen wir in vielen Bereichen nicht um die spekulative Erschaffung von Kategorien herum. So etwa bei den streng disziplinär geschiedenen Wissenschaften. In dem Bereich lässt sich allerdings die Kategorie als Hypothese behandeln, bei der alles zu versuchen ist, sie zu widerlegen. Kategorien sind geistige Produkte die nur so lange gelten, bis sie an der Realität scheitern. Hier dürfte sich bereits ein grosser Teil der gegenwärtigen Verzweiflung an den Wissenschaften - Postmoderne genannt - erklären: Es sind nicht die kleinen Wahrheiten der Laboratorien und Denkstuben die gescheitert sind, sondern die grossen Zusammenhänge, die von den meisten unbemerkt an der riemanschen Geometrie, eindrücklicher an der Relativitätstheorie wie an der Quantenmechanik gescheitert sind - oder eben sehr relativ wurden.
Kategorien sind Aussageschemen. Unterschiedliche Kategorien versuchen Worte, die mehrdeutig gebraucht werden können, durch Zuordnung der richtigen Kategorie eindeutiger zu machen. So hat z.B. das Wort "Freiheit", dem viele gerne eine kategorische Bedeutung (im Sinne von unbedingt, fordernd) zumessen möchten, recht unterschiedliche Interpretationen je nach dem ob es in der Mathematik Physik (Freiheitsgrade der Thermodynamik), Chemie, Biologie; Politik, Wirtschaft, Rechtslehre - Willensfreiheit etc. verwendet wird. Ohne Klarheit darüber, in welcher Kategorie es gerade verwendet wird, bleibt es diffus.
Die Kategorienstruktur die man wählt, hängt davon ab, was für ein Philosoph man ist. Der Philosoph bestimmt die Kategorien - die Kategorien bestimmen das mögliche Denken. Philosophie muss also immer auch Kategorienentwicklung beinhalten, sonst verkommt sie zur Scholastik.
Kategorien werden genutzt als Ordnungsprinzip, Begriffsklassifizierung, Begriffsklassifikation, erfüllen heute (praktisch) also meist eine logische Ordnungsfunktion, wirken als klassifikatorisches Ordnungsmodell.
| Man trifft kaum noch auf ein legendiges (vermutlich gemeint lebendiges, der Kommentator) kategoriales Denken, zumal seit der Paradigmenwechsel zum "funktionalistischen" und "kybernetischen" Denken den überkommenen Kategorienbegriff verdrängt und an die Stelle gegenstandskonstituierender Prinzipien blosse Variablen gesetzt hat. (F S. 5) |
Trotz (oder wegen?) der eminenten Bedeutung der Kategorien, gibt es heute kaum mehr Philosophen, die sich an dieses Gebiet heran trauen. Die Wissenschaft hat feste Kategorien durch wandelbare Faktoren ersetzt, Variablen genannt. Meist war die Kategorienlehre auch ein Produkt elitären Denkens, der Philosophen. Vor allem bei Hartmann kam Kritik von vielen Seiten, diese Kategorien seien subjektiv, heuristisch, wenn nicht gar zufällig.
Könnte man denken ... is aber nicht ganz so:
Theoreme transzendentallogischer Kategorienbildung:
Zum anderen aber soll dem Bereiche der sensualen Kategorien ein Parallelbezirk moralisch-übersinnlicher Kategorien gegenüberliegen: nämlich der "Kategorie der Freiheit". Die reinen Verstandesfunktionen, die der logischen Theorie zufolge blosse Kategorialformen darstellen, werden in Parallele zu den materialen Kategorien der Ethik als materiale "Kategorien der Natur" wiederaufgegriffen. [S. 21]
Freiheit als Kategorie? Da Kategorien Ordnung bezeichnen, ist Freiheit eigentlich der Ort ohne Kategorie. Gerade die Aufspaltung des Wissens wie der Wissenschaften in Natur- und Geisteswissenschaften zeigt, dass das Problem der "Kategorie Freiheit" noch weit von einer Lösung steht. Diese Unschärfe erlaubt einen um so leichteren Missbrauch, gerade für politische Propaganda.
Diese Charakterisierung rückt den Kategorienbegriff zum Prinzipienbegriff und noch näher zum Funktionsbegriff und zum Begriff des Begriffs. So steht es im Einklang mit einer bis auf Aristoteles zurückzuverfolgenden Tradition, das Prinzip als ein strukturell Unselbständiges anzusehen, das sich zur Gänze in seiner Prinzipiierungsfunktion erschöpfen und keine Existenzberechtigung unabhängig von seinem Verhältnis zum Prinzipatum haben soll. [S 33]
Anders ausgedrückt: Bei den Kategorien handelt es sich in jedem Fall um nichts, dass als platonische Idee selbständig werden kann. Kategorien wären leere Gefässe, ähnlich dem Raum, der erst durch seine Grenzen und seinen Inhalt zu etwas fassbarem wird - allerdings Gefässe die präzise für diejenigen Begriffe konstruiert wurden, die sie umfassen sollen. Wachstum, Wandel (Flexibilität), Innovation, Trend, alles Teilbereiche der alten Kategorie <VERAENDERUNG> zeigt, dass sich Kategorien aber leicht in be-greifbares umwandlen und noch leichter zur rhetorisch-mystischen Verklärung einsetzen lassen, obwohl sie eigentlich weniger sind als heisse Luft, die immerhin Luft und Hitze hat als konkrete sinnlich erfassbare Bestandteile. Kategorien sind nichts anderes als Gefässe der Zu- und Einordnung.
Kategorien werden oft auch einfach als Begriffe höchster Abtraktion, höchster Allgemeinheit verstanden, also diejenigen Begriffe, sie sich aufs höchstmögliche vom Materiellen gelöst haben
Als Elemente der Logik wären also die Kategorien, wie der ganze Rest, reine Tautologien, Formtautologien. Präzise dies sagt eigentlich auch Frei:
Der Formencharakter des kategorialen Gefüges und der kategorialen Einzelform bedarf noch einiger Präzisierungen: Ausgehend von der obigen Charakterisierung der Kategorien als Formen, die einer materialen Ergänzung und Erfüllung bedürfen und denen man lediglich ein rudimentäres Eigensein zusprechen kann, korrigieren wir die starke These ihrer semantischen Defizienz zur schwächeren These einer Abhängigkeit der kategorialen Form von äusseren Semantisierungsmaterial - beziehungsweise einer Angewiesenheit derselben auf einen materialen Gegenstandsbezirk. Kategorien sind unselbständige Gegenstandsformen und als solche darauf angewiesen, sich dem kategorial zu formenden Gegenstand aufprägen zu können und in ihm als ein einem strukturell Selbständigen eine Realisierungsstätte zu haben. [S. 32]
Zu Deutsch: Die Form (Kategorie) bestimmt, ob der Inhalt reinpasst, nicht der Inhalt, wie die Form auszusehen hat. Hier die Krux des Datamining und moderner "Ontologien", die Resultate passend einhüllen, deren Hüllen aber so kaum Formcharakter haben. #
Aristoteles (384-322), der die Kategorienlehre begründete, nahm 10 allgemeine Kategorien an:
Reine Kategorien hätten wir hier also bloss 6, der Rest wäre heute Sache der Psychologie.
Der Sache nach kennt er bereits die 4 Kategorien:
Pole von 4: Relation, einerseits Kategorie 1-3, andererseits 3,4) Kategorie 1-3 und 5-7
Mit diesen Kategorien hingegen liesse sich die moderne Wirtschaft schon wieder gut an: Preis, Menge, Qualität, Ort, gar nicht unähnlich.
Der Erste der den Versuch einer sytematischen Ableitung von Kategorien unternimmt, ist Thomas von Aquin (1225-74).
Von einer logischen Ordnungwissenschaft, einer "Denkform", die die Leisegangsche "Polylogismus"-These zu belegen und zu stützen vermag, kann nur dann die Rede sein, wenn Gesetzlichkeiten vorliegen, die ein allgemeines, tendenziell universales Klassifizierungsverfahren beschreiben und eben aus diesem Grunde legt sich die Integration der "Polylogismus"-Diskussion in den Theoriebezirk der Kategorienlehre nahe, ist diese doch gewissermassen dazu prädestiniert, zu garantieren, dass nur solche Kandidaten eine Chance haben, als Logiken, "Denkformen", beziehungsweise "Rationalitätstypen" ernst genommen zu werden, die die Universalität und Applikabilität des kategorialen Denkens, eines - wie sich in der Diskussion des kategorialen Formalismus sowie der Universalisierungs- und Regionalisierungstendenzen der Kategorienlehre zeigen liess - formalen, allgemeinen und tendenziell universalen Denkens, an den Tag legen. [Frei: Schluss. S. 175]
Also sind auch Kategorien absolut irreale Tautologien? s. Eisler
Die Kategorialanalyse untersucht die Natur und den Geltungsbereich der Kategorien.
Ueber den Kategorien standen im Mittelalter noch die Transzendentalien, welche die Kategorien quasi zusammenfassen:
Wir sehen, in welch absurder Traumwelt die Alten da lebten. Nichts von Effizienz, Wettbewerb, Innovation, Wirkung etc. sondern Abstrusitäten wie das Eine, das Gute, das Wahre. Heute ist die einzige Transzendentalie - das Geld. Beweis
Plotin (204-270): Das Schöne, Gute und Gerechte > Gott Begründer des Neoplatonismus und damit einer der wichtigsten Grundlagen christlichen Denkens im Mittelalter und innerhalb der katholischen Kirche.
Im Christentum der synoptischen Evangelien fehlt die Metaphysik fast ganz. Im modernen Amerika gleicht es darin dem Urchristentum; der Platonismus ist dem populären Denken und Fühlen der Vereinigten Staaten fremd; die meisten amerikanischen Christen sind weit mehr mit ihren Pflichten hienieden und dem sozialen Aufstieg in der Alltagswelt beschäftigt als mit den Jenseitshoffnungen, die die Menschen trösteten, wenn alles Irdische sie mit Verzweiflung erfüllte. Plotin ist immer sehr auf bestes Benehmen bedacht. Christus ist mit dem Logos zu identifizieren. Plotin hat ein System erbaut, dass er für einen sicheren Hort der Ideale und Hoffnungen hielt und das zudem moralische und ethische Bemühungen bedingte. Im 3. JH., wie in den folgenden, drohte dem Abendland durch die Barbareninvasion (Germanen) der völlige Untergang. Geistige Aktivitäten beschränkten sich auf die Religion. Allerdings wendete sich Plotins Lehre mehr ans Innere als nach aussen, quasi inneres Heil verbunden mit der Toleranz äusseren Unheils - und Unrechts, was die Kirche sehr zu ihrem Wohle auszunutzen verstand. Der Protestantismus wendete dann den Blick wieder vermehrt auf das diesseitige, wirtschaftliche Wohlergehen. |
Die Scholastik erkannte nur noch 6 Kategorien:
Descartes und Locke noch 3:
Schelling zieht eine klare Grenze zwischen empirischen und transzendentalen Abstraktionen. Erstere lassen sich nie ganz vom Substrat lösen, da das Schema ja gerade versucht, Objekt und Subjekt zu verbinden. Empirische lassen sich so auch auf ihre Gültigkeit relativ leicht testen, da der gesamte Inhalt einer empirischen Kategorie (z.B. Gattung, Art, Rasse, bei Pflanzen und Tieren) entweder darein passt - oder eben nicht.
Schwieriger ist es mit den Kategorien der Transzendenz. Kunst erhebt sich, durch das Allegorische hindurch, zur höchsten Stufe des Symbolischen, d.h. der abstrakten Darstellung der Idee, die den sinnlichen, materiellen Stoff, die Materie, prägt. Schema, Allegorie und Symbol sind hier Kategorien der Kunst, heisse sie nun Literatur, Malerei, Bildhauerei, Musik oder, vielleicht, Philosophie. Das Symbol ist hier eine reine Schöpfung des Geistes, was sich am besten beobachten lässt anhand der Herausbildung der Schrift. Erste Ansätze dazu waren die Höhlenmalereien. Abstrakte Darstellungen von Jagdtieren und der Jagd, von denen angenommen wird, dass sie reiche Tierbestände und einen guten Ausgang der Jagd beschwören sollten. Kam noch die Bezeichnung für das Tier hinzu, war das erste geschriebene Wort geboren. (So ähnlich gilt das noch für die chinesische Sprache, weniger für unser, noch abstrakteres, aramäisches Alphabet.) Vielleicht ist es ja gerade der künstlerische Aspekt, die Tätigkeit abstrakten Gestaltens ohne materielle Vorlage, die den wahren Gehalt der Philosophie ausmacht: Philosophie als Wissenschaft der reinen Prinzipien. Kategorien bilden in empirischen Bereichen können die Wissenschaftler heute nämlich viel besser als die Philosophen, denn dazu muss man eine Unmenge wissen über die Eigenheiten und historischen (evolutiven) Zusammenhänge. Später geht er noch weiter und erklärt Philosophie zur Wissenschaft von den Potenzen: Sein können, Sein müssen, Sein sollen.
Schelling unterscheidet vor allem 3 Bereiche von Kategorien:
Ich bin hier nicht ganz glücklich mit dem Begriff Wirklichkeit für die 2. Kategorie. Die Bezeichnung, ebenfalls von Schelling, als Seinmüssendes macht aber klarer, worum es geht, nämlich um Dinge die prioritär anzustreben sind, auch wenn aus der 3. Kategorie ein Zaunpfahl winken sollte: Nicht möglich, zu teuer, zu aufwändig etc. Man könnte vielleicht, ohne Schelling all zu viel Gewalt anzutun, die 2. Kategorie als Kategorie des Willens oder gar der Pflicht bezeichnen.
Hegel selbst mied meist den Begriff Kategorien und verwendete statt dessen Termini wie Denkform, Denkbestimmung, Begriffsbestimmung. Er betrachtet Logik als reine Kategorienlehre. In ihr bezieht sich das Denken auf sich selbst, erzeugt also nichts als Tautologien (s. Wittgenstein). Für Hegel ergeben sich daraus drei Möglichkeiten für Kategorienbildung:
Hegel unterscheidet so auch nicht mehr zwischen den Seinsprinzipien und den Kategorien einerseits und zwischen Erkennbarem und Denkbarem andererseits: Das Sein ist erkennbar -Kategorien sind denkbar - das Denkbare be-zeichnet das Sein symbolisch. Kann eine bestimmte Denkform nicht mehr gedacht werden, verschwindet mit ihr auch die Reflexion darüber. Genau hier liegt die Gefahr einer Zeit, die sich um die Analyse ihrer Kategorien keinen Deut schert.
Herbart (1776-1848): Einen interessanten Ansatz wählte Herbart. Für ihn waren Kategorien eher psychische Mechanismen, Stabilisierungsinstrumente der Seele. Nebst Kategorien der Aussenwelt (Ding, Eigenschaft, Verhältnis, Verneintes) unterscheidet Herbart noch die Kategorien innerpsychischer Vorgänge wie Wissen, Wollen, Handeln. Damit geht die bisherige apriorische Geltung zwar verloren, aber es entsteht ein eigentlich konstruktivistischer Ansatz, obwohl der Konstruktivismus noch gar nicht erfunden war (und Konstruktivismus sich mit Ontologie natürlich nicht grad gut verträgt, sofern man das Sein nicht grad als Theater ansieht, das von Masken (personae) gespielt wird). Der Anspruch an Geschlossenheit und Vollständigkeit beginnt sich also bereits zu Beginn des 19. JH aufzulösen und verengt sich zunehmend auf die Arbeits- und Gültigkeitsbereiche der wissenschaftlichen Disziplinen. Zu Beginn des 20. JH. musste die Idee einer überschaubaren Anzahl von Kategorien vollständig aufgegeben werden.
Schopenhauer (1788-1860) strich alle 12 kantischen Kategorien zusammen zu einer: der Kausalität, womit er, als Zyniker allerdings missbraucht, der Verwissenschaftlichung Tür und Tor öffnete.
Trendelenburg (1802-72) hat 1846 eine umfassende Geschichte der Kategorienlehre verfasst und versucht, diese weiter zu entwickeln. Er unterscheidet wiederum reale Kategorien (Formen, durch welche das Denken das Wesen der Sache ausdrücken will und Grundbegriffe, die das Wesen sind), und modale, als Grundbegriffe die erst im Akt der Erkenntnis entstehen, in dem sie dessen Beziehungen und Stufen bezeichnen, die da wären, :
ergänzt um Materie und Zweck
Lotze (1817-81) (führte den Begriff der Geltung ein, womit Begriffe bezeichnet werden, die werden ein reales Dasein haben (wie etwa ein Apfel), noch ein ideales (Harmonie), die also überhaupt nicht sind - aber gelten (Gerechtigkeit).
Hermann. Cohen (1842-1918. Die Logik der reinen Erkenntnis): Kategorien sind Ausdruck der Gesetzmässigkeit des reinen, sich durch Urteile auf Gegenstände beziehenden Denkens. ... Dadurch, dass Kategorien als Betätigungsweisen des Urteils konzipiert werden, erhalten sie den Status von Denkgesetzen. [HW S. 746] Hieraus ergibt sich ein weiteres, für den Konstruktivismus typisches Dilemma: Die Logik der reinen Erkenntnis verschränkt sich mit der Logik der Forschung. Die Kategorien dienen der Forschung als Denkmuster (genau so wie die Paradigmen als Denk- und Handlungsmuster der disziplinären Wissenschaftlichkeit generell).
Paul Natorp /1854-1924) versuchte dieses Dilemma zu lösen: Die Grundkategorien der Modalität, der Relation (Spezifikation) und der Individuation werden hergeleitet aus den Substraten philosophischen Fragens überhaupt: Dem Sein, dem Sinn und der allbefassenden Einheit beider. Wie Kant besteht er auf der Priorität der Synthese vor jeder Analyse - da das Ganze nur als solches, und der Teil ebenfalls nur aus Kenntnis des Ganzen heraus wirklich verstanden werden kann (verstanden, nicht begriffen: begriffen heisst nämlich bloss, in Begriffe gefasst, während dem Verstanden bedeutet, in Einbettung wie Abgrenzung, als Struktur und Funktion erfasst, begriffen, einleuchtend erklärt, verständlich, sinnvoll). Das Denken ist hier zugleich Vereinigung des Auseinanderliegenden (Synthese) - wie auseinanderhalten des Vereinten (Analyse).
Heinrich Rickert (1963-1936) macht, wie bereits einige vor und einige nach ihm, darauf aufmerksam, dass Kategorien eigentlich auch eine Verbindung schaffen zwischen dem Bereich des Sollens oder Geltens (Finalität) und dem des Seins, des sinnlich Erfahrbaren, Gegebenen (Kausalität). Die Kategorien sind also nicht mehr reine Verstandesbegriffe deren Gültigkeit nur ein restriktiver und präziser Gebrauch garantiert, sondern eo ipso Strukturen der Erkenntnis. Im Gegensatz zu Windelband sieht Rickert die Kategorien nicht als konstitutiv oder reflexiv an - sondern als methodologische Erkenntnisform. Da wissenschaftliches Wissen ein bereits konstituiertes erkennendes Subjekt voraus setzt, sind die Kategorien, die den Inhalt, also das Untersuchungsgebiet strukturieren, hier von eben so entscheidender Bedeutung wie die Paradigmen, welche die Methode stützen. Die Philosophie hätte hier dann die spezifische Aufgabe, schon konstitutierte Gegenstände (oder Denkräume), bzw. den Konstituierungsvorgang, bzw. die Bedingungen des Geltens bzw. Sollens, zu interpretieren.
Alle, die Marburger Schule, der Neukantianismus und der Kritizismus benötigen die Kategorien. Gerade weil ein hemmungsloser Kritizismus (das Wort in seiner banalen Bedeutung als "hemmungslose, andauernde Kritik gemeint) eigentlich nur zu Nihilismus führen kann, hat der Oberkritiker der Philosophie, der Immanuel, die Kritik auf die feste Basis der Kategorien gestellt. Ohne diese geht die Sache schief, was sich zur Zeit wieder an Hand der Postmoderne zeigt.
In der Lebensphilosophie werden Struktur-Kategorien des Lebens vorangestellt, wie
Aus deren Zusammenwirken lassen sich weitere kategoriale Begriffe wie Gestaltung und Entwicklung (des Lebens) herleiten. Die Kategorie der Bedeutung wäre hier die höchste, denn sie entscheidet über die Verständlichkeit der genutzten Zeichen, Symbole, Worte. Der Kategorie der Geschichte, die sich aus menschlichem Wirken ergibt, steht die Kategorie der Natur gegenüber, in der menschliche Wirkung höchstenfalls sekundär ist (und meist störend).
G. Simmel (1858-1918) konzipiert den Begriff vom Leben, dem die Transzendenz innewohnen muss. Tönt echt philosophisch ... unverständlich, ist aber eine relativ einfache Angelegenheit: Das Leben ist mit dem Paradoxon behaftet, dass es zugleich der bestimmenden Form bedarf (Erziehung, Bildung) - diese Formen aber immer und immer wieder durch die Kreation neuer Formen überwinden muss, um Leben sein zu können. (s. strukturänderndes Lernen als Beispiel). Ein Leben ohne die Neugestaltung von Formen wäre ein reaktives, also tierisches oder vegetabiles. Der Mensch als Gemüse.
Die Mannigfaltigkeit der Lebensformen fordert eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Kategorien. Diese sind sowohl apriorische wie geschichtlich bedingte Formen der Transformation von Weltinhalten in Erkenntnis und Wissenschaftsinhalte. Die Kategorien sind nichts anderes als die grossen Formen wie Wissenschaft, Kunst, Religion usw., in die jeder überhaupt vorhandene Inhalt aufgenommen werden muss. Da unsere Reflexion denselben Inhalt bald unter dieser, bald unter jener Kategorie zu erblicken meint, ist weder die Zuordnung von Kategorien noch der Prozess des Ergreifens der Inhalte durch Kategorien als abschliessbar zu denken. Dem Menschen als historisch-evolutivem Wesen bleibt das totale Erfassen aller möglichen Inhalte verwehrt. Gleichwohl ist Simmel, wie dem amerikanischen Pragmatismus, die Idee der Vollendung des Menschen Massstab für die Bewertung von Formen und Kategorien, die für die Menschheit in jedem Jetzt Wissenschaft bedeuten.
Auch hier haben wir das Dilemma, das wir einerseits die Wahrheit nicht völlig erkennen können - andererseits uns aber an ihr orientieren müssen. Die zerfallenden und eigentlich immer provisorischen Kategorien werden hier aber zusammengehalten durch, eben, das Leben, das es gibt (wer daran zweifelt, sollte es vielleicht beim Psychiater versuchen, oder als Eremit ... oder aufhören, sich "Matrix" anzusehen). Kategorien sind nur Arten der Auffassung, bestimmen also Perspektiven, Ansichten, Anschauungen (das Auge dominiert ganz offensichtlich unter den Sinnen ...). Die Kategorien bilden einen systematischen Zusammenhang, so dass die obersten Kategorien höchste Standpunkte der Auffassung der Wirklichkeit darstellen. Als solche bezeichnen sie eine eigene Welt der Prädizierung und schliessen sich gegenseitig aus.
Hier lässt sich nun relativ cool, d.h. ohne Mord und Todschlag, das Problem der "Kulturen" analysieren. Wo die höchste Kategorie eben noch Gott heisst (oder Allah), richten sich alle weiteren Subkategorien nach dieser, und es entstehen unverträgliche parallel laufende, feindliche Systeme. Wo der Tod besser erscheint als auch nur die gedankliche Anerkennung, man könne unter einer anderen Kategorie, einem andern Gott leben - und das vielleicht sogar recht gut, da gibt es keine Kommunikation - solange keine gemeinsamen Kategorien (wie etwa der Handel, die Menschenrechte, Demokratie, Mitbestimmung, Dialog, Menschenfreundlichkeit etc.) akzeptabel werden.
Auf der andern Seite haben wir die Zersplitterung des Wissens in Brösel, die derart klein werden, dass der Ausdruck "Halbwissen" bereits einen Euphemismus darstellt. Dieser Zersplitterung, gerade durch die Naturwissenschaften, die Analyse, versuchte Othmar Spann durch seine Theorie der Ganzheit zu begegnen. Seine Deutung der Dinge als Glieder sinnvoller Ganzheit wendet sich gegen den toten Mechanismus monokausalen Denkens zugunsten der lebendigen Fülle universalistischen, ursächlichen Wissens. Nur die Ganzheit kann die Schwäche des Zweckbegriffs (Teleologie) vermeiden ohne in die Unwahrheit der Kausalität zurückzufallen. Die Kategorien waren hier:
Die <Ganzheit> und <Vollkommenheit> endete hier dummerweise im Austrofaschismus.
Rudolf Eisler (1873-1922) hat für das Ende des 19. bis Anfang 20. JH 100 historiographische wie systematische Arbeiten zum Thema Kategorien gesammelt, denen die Einsicht gemein ist, dass es unmöglich sei, einen für die Wissenschaften geltende Kategorienkatalog aus einem letzten Prinzip herzuleiten. Umgekehrt sei die Vielzahl der Gegenstände der Wissenschaften eben so ungeeignet als Massstab zur Auffindung von Kategorien, wenn der Begriff nicht seine allgemein philosophische und erkenntnistheoretische Bedeutung verlieren sollte. Kurz: Die Kategorien als Mittel zur Erkenntnis können nicht zugleich Erkenntnis selbst darstellen. (Analog dazu müsste man eigentlich auch sagen, dass Geld, als Mittel zum Tausch, eigentlich nicht zugleich Zweck und Ziel des Tausches sein kann - denn daraus resultiert als Ziel eine unendliche Steigerung der Tauschvorgänge, eben, der Wachstumszwang. Auch hier offensichtlich ein Kategorienfehler.) Dennoch bleiben Kategorien Produkte des "oberen" Erkenntnisvermögens, auch wenn sie nun an die Gegenstände, auf die sie verwendet werden, angebunden werden und in eben so viele Teilbereiche zersplittern wie ihre Gegenstände
Rudolf Eislers Definition der Kategorien: Ohne ihre Verbindung mit der Anschauung und ohne die transzendentalen "Schemate" (s. d.), die ihre Anwendung auf die Anschauung ermöglichen, sind die Kategorien rein logisch-formale Funktionen ohne Inhalt, gewähren sie keine Erkenntnis. ... Die "Verstandesbegriffe" sind nicht angeboren (s. d.), sondern "erworben","aus den dem Geiste eingepflanzten Gesetzen abstrahiert (indem man bei Gelegenheit der Erfahrung auf seine Tätigkeit achtet)". Zu ihnen gehören: Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit, Substanz, Ursache usw.; da sie "niemals als Teile in irgendeine sinnliche Vorstellung eintreten, ließen sie sich in keiner Weise aus ihr abstrahieren", Mund. sens. § 8 (V 2, 100). Die Verstandesbegriffe sind nicht anschaulich, nur "symbolisch". ... ff.). ... Die Kategorien (Prädikamente) sind die wahren "Stammbegriffe" des reinen Verstandes, die auch ihre ebenso reinen "abgeleiteten" Begriffe haben (s. Prädikabilien). — Über diese "Tafel der Kategorien" lassen sich "artige Betrachtungen" anstellen. Diese Tafel dient dazu, "d e n P l a n zum G a n z e n e i n e r W i s s e n s c h a f t , sofern sie auf Begriffen a priori beruht, vollständig zu entwerfen, und sie mathematisch n a c h b e s t i mmt e n P r i n z i p i e n a b z ut e i l e n ". |
Die Phänomenologie und existentiale Hermeneutik machte nun die Kategorien zu obersten Gattungen materialeidetischer Ontologien. Regionale Kategorien sind synthetische-apriorische Wesenswahrheiten, die zugleich irreduktible Klassen synthetischer Erkenntnis a priori (regionale Axiome) begründen.
Edmund Husserl (1859-1938) unterscheidet die formal gegenständlichen in syntaktische (Kategorie als Begriff) und Substrat-Kategorien (kategoriales Wesen). Da die Phänomenologie diese „Wesensschau des Gegebenen“ als voraussetzungslose Grundlage allen Wissens setzt, ist diese Entwicklung bedeutsam, und wir müssen hier etwas detaillierter auf die Phänomenologie eingehen.
Alfred North Whitehead (1861-1947): Kategorien sind dem Anspruch nach, als kategorische Schemata, ein kohärentes, logisches, notwendiges System allgemeiner Begriffe, das sich in der Interpretation der im common sense gegebenen Erfahrungswelt als zugleich aplikabel und adäquat erweisen muss. Die Tauglichkeit von Kategorien ergibt sich aus ihrer Tauglichkeit zur Interpretation der Erfahrungswelt. Hier eine Kombination von pragmatischer und konstruktivistischer Denkweise.
Whiteheads 4 oberste Kategoriengruppen (Process and Reality):
Der Pluralismus der Logiken wurde insbesondere von Cassirer (1874-1945) als Wirklichkeitskonformer begrüsst. Eine Regionalisierung der Logik widersprach Hegels Vorgehen, alle geistige Mannigfaltigkeit auf eine einzige Dimension zu reduzieren. Insbesondere die "Schullogik" ist bloss noch eine Denkform euklidischer Geometrie, also bereits unserer Zeit längst nicht mehr angemessen.
Der wesentliche Schritt zur Kulturphilosophie ergibt sich aus Cassirers Erweiterung des Begriffs der Erkenntnis zum Leitbegriff des Erlebens (in Anlehnung an Paul Natorp). Gegenstand dieser Kulturphilosophie ist nicht nur die Erkenntnis, sondern das Weltverständnis überhaupt. Cassirer wollte damit dem Umstand Rechnung tragen, dass es ein „Erleben“ außerhalb der strengen Wissenschaften gibt, das sich in der Sprache ebenso ausdrückt, wie in Mythen, der Religion oder der Kunst. Auch Geschichte, Technik, Wissenschaft, Moral oder Politik haben demzufolge eigene Erlebniswelten.
Unter Tun versteht Cassirer Gestalten, Formen und Bilden. Erst dem Tun entspringt das Sein. Die elementarste Form der Gestaltung ist dabei die Abgrenzung oder Perspektivierung. Da jede Wahrnehmung nur einen Teil der Wirklichkeit erfasst, ist somit schon jegliches Wahrnehmen gestaltend. Gestalten vollzieht sich für Cassirer stets in Verbindung mit einem sinnlichen Gehalt, ein Kerngedanke, der sich in Cassirers Formulierung der symbolischen Prägnanz ausdrückt:
„Unter ‚symbolischer Prägnanz‘ soll also die Art verstanden werden in der ein Wahrnehmungserlebnis, als ‚sinnliches‘ Erlebnis, zugleich einen bestimmten nicht-anschaulichen ‚Sinn‘ in sich faßt und ihn zur unmittelbaren konkreten Darstellung bringt.“
Kultur ist die Art und Weise, wie der Mensch durch Symbole Sinn erzeugt. Symbole entstehen also stets in Verbindung zur Sinnlichkeit, haben aber einen Sinn, der über sie hinaus verweist.
Aspekte der Prägnanzbildung sind:
Er unterscheidet entsprechend zwischen Wahrnehmungs- und Bedeutungsprägnanz: Erstere verleiht dem Wahrgenommenen einen Umriss und Deutlichkeit, letztere bindet sie in einen Kontext ein. Der Wahrnehmungsprägnanz sind also Rekognition, Präsentation und Retention zuzuordnen, der Bedeutungsprägnanz die Repräsentation.
Emil Lask (1875-1914)1. Definition Kategorien
Lask war ganz eindeutig der Ansicht, dass es Wahrheit gäbe, und dass wir in der Lage sind, diese zu erkennen: Es ist ganz vergebens, wider die Allherrschaft der Wahrheit zu streiten. Es ist ganz unsinnig, irgend ein Etwas als logisch Nacktes zwar zuzulassen, aber gegen seine an sich bestehende kategoriale Betreffbarkeit sich zu wehren. Man kann solche Misologie wie allen Skeptizismus in die bekannten Widersprüche mit ihrem eigenen Tun verstricken. Ein Etwas, dessen Unzugänglichkeit für kategoriale Betroffenheit behauptet wird, das steht bei jeglichem, auch bei solchem leugnenden Nachdenken darüber bereits in kategorialer Umgriffenheit. Er unterscheidet allerdings zwei Bereiche, nämlich Wahrheit und Geltung als entscheidende Kategorien des Wissens. Wahrheit lässt sich wissenschaftlich erforschen und begründen, weil sie zur Kategorie des Seins gehört, also "Dinge" da sind, die sich erfassen, messen, prüfen lassen. Geltung lässt sich weder sachliche begründen noch wirklich erfassen, da sie auf rein abstrakten Begriffen, den sog. Noumena (Gedachtem), basiert, also auf Werten, Erwartungen, Kategorien etc. - im Gegensatz zu den wissenschaftlich analysierbaren Phänomena, die den Sinnen erscheinen. Präzise dies meint die sog. Zwei-Welten-Theorie, die zwischen einer sinnlichen Welt, die sich durch Phänomene zeigt und einer nichtsinnlichen Welt, der Welt der reinen Logik, des Verstandes, der Vernunft, der Rationalität. Eine ähnliche Zweiteilung der Kategorien macht Husserl, für den ein fundamental kategorialer Unterschied zwischen idealem Sein und realem Sein besteht. Zur phänomenologischen Welt gehört auch die von uns geschaffene Wirklichkeit, eben die von uns bewirkte Welt, als reales Sein. Als Modell allerdings geht ihr oft ein ideales Sein vor.
Im letzten Punkt (s. Tabelle rechts), der Wirklichkeitsforschung, merken wir einen Wechsel einer Kategorie von der einen in die andere, von der übersinnlichen in die sinnliche, per Phänomenologie erforschbaren Welt. Diese untersucht primär die vom Menschen geschaffenen Dinge, also Institutionen, Kunst, Werke, Werk-zeugs, Kultur, Geist, ganz im Sinne von Vico: <Am besten verstehen wir das, was wir selbst geschaffen haben.> Kultur ist aber geschaffene Welt - also verständlichere Welt. Der Kommentar ist allerdings von mir, Lask scheint der Wechsel [L: S. 2/3] nicht aufgefallen zu sein. Er bemerkt allerdings mit Nachdruck, dass das Reich des Geltens, und damit die Wirklichkeitsforschung, niemals das Erbe der Metaphysik einnehmen kann. Das Gute, Schöne, Gerechte, Heilige bleibt atheoretisch-übersinnlich. Die Unanschaulichkeit macht Wittgensteins Problem deutlich, nach dem man eben über Dinge nicht reden kann, die man nicht ansehen, greifen, be-greifen kann. Die Be-schreibung wird hier also zur Kunst, entpuppt sich dümmstenfalls als künstlich. 1.1 Definition <Gelten>
Das Unsinnliche: Werte, Normen, Sinn, Bedeutung - sind alles Derivative des Geltungsbegriffs:
Gelten ist Kategorie, und zwar Kategorie vor allen Kategorien (die ja nur Worte und keine Realien sind, also bloss gelten - oder eben nicht. Hier auch ein interessanter Bezug zur heute höchsten aller Kategorien, die nicht mehr Gott, sondern Geld heisst. Geld heisst Geld weil - es gelten soll, worauf nicht mehr der Papst oder eine nationale Kirche achtet, sondern die Nationalbanken. Sein ist Kategorie - Kategorie gilt - also ist auch das Sein ein Gelten.)
Sein, Dinghaftigkeit, Kausalität sind offenbar ganz exklusive Prädikate für die sinnliche Sphäre, sind Fremdlinge im unsinnlichen Bereich; es ist widersinnig, vom Geltenden das "Sein" auszusagen, es in Kausalzusammenhänge verflochten zu denken. Erst auf der Basis einer konstitutiven Logik der Zweisphärentheorie, einer zweireihigen Kategorienlehre begreift man, wohin überall sich die Arbeit der reflexiven Subjektivität zu erstrecken vermag. Erst wenn die reflexive Kategorienschicht mit dem gebührend erweiterten konstitutiven Fundament in Kontakt gebracht wird, lässt sich in der logischen Besinnung dem Umstand Rechnung tragen, dass die reflexive Kategorie auf allen Gebieten, nicht nur im Seinsgebiet und beim Seinserkennen, mit einem konstitutiven Gehalt sich begegnet, ihn fortwährend durchsetzt und verdrängt, sondern im nichtsinnlichen Gebiet ebenso wie im sinnlichen als reflexives Surrogat sich einnistet, im philosophischen Erkennen wie im Seinserkennen als reflexive Begleiterscheinung sich vordrängt. konstitutive und reflexive Kategorien Die Lehre vom Nebeneinanderstehen des konstitutiven Seins - und des philosophisch-konstitutiven Gehalts gewährt die Basis für alles Verständnis irgend welcher generellen logischen Form. [S. 138] 2. Erkenntnis2.1 SpekulationLandläufig: Für Wahr halten, Meinungen, Hellseherei, Alltagsweisheiten, gesunder Menschenverstand, Tradition, Gebrauchtum ...
Nichtsdestoweniger hat der Begriff <Spekulation> in der Philosophie nicht bloss einen negativen Wert, sondern steht auch für die kühne Bildung von - zu prüfenden - Thesen und Theorien, für Betrachtung, Kontemplation, Intuition, transzendentale Vernunft, begreifendes Erkennen bei Hegel, 2.2 GnosisEine Erkenntnisart, die heute nicht mal mehr die Kirche sich anzuwenden traut, da sie die direkte Schau der Wahrheit bedeutet. Sie kommt heute fast nur noch bei den Mystikern vor, also z.B. den islamischen Sufis, die so Gott direkt erfahren. 2.3 Wissenschaft - Definition und Abgrenzung
Ein treibendes Element des 19. und 20. JH. war die wissenschaftliche Forschung - und die technisch-wirtschaftliche Verwertung ihrer Erkenntnisse. Diese materiellen Erfolge haben sie dazu verleitet, sich so weit zu überschätzen, dass auch nicht kausale Bereiche Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben wollten, sich also ihrer Methoden bedienten. Lask ist hier, aus heutiger Sicht, etwas zwiespältig. Einerseits kritisiert er klar die Verwendung wissenschaftlicher Methoden auf Gebiete, wo die Kausalität nichts zu sagen hat, weil entweder Freiheit der Entscheidung oder Teleologie, also Zielgerichtetheit herrscht (Wirtschaft und Politik), andererseits vertritt er ja dennoch mit dem Nominalismus einen Glauben daran, dass auch übersinnliches (transzendentales) Wissen sich wahrhaft begründen lässt: Die Suche nach der mathesis universalis hat seit Descartes und Leibniz nie aufgehört. - Kritik durch Lask selbst a.a.O: Theoretisierung atheoretischen Verhaltens (des Lebens) verschuldet auch all solche verwirrenden Gegenüberstellungen wie die des theoretischen und praktischen, des logischen und intuitiven, des theoretischen und ästhetischen, des wissenschaftlichen und religiösen Erkennens, der theoretischen und der Werturteile. Unter einem praktischen oder intuitiven Erkennen kann zunächst mit verfehlt intellektualistischer Ausdrucksweise ein atheoretisch-praktisches oder ein atheoretisch-intuitives Verhalten gemeint sein. Wird jedoch darunter ein das Praktische oder das Intuitive betreffendes theoretisches Verhalten verstanden, so ist entgegenzuhalten, dass jegliches Erkennen ein theoretisches Verhalten ist und darum eine hinzugefügte Angabe wie "praktisch" oder "intuitiv" nur eine nach dem Material sich bestimmende Unterart des Erkennens bezeichnen darf. Auch das praktische und das intuitive Erkennen ist keineswegs ein praktisches und intuitives, sondern ein praktisches und intuitives Material betreffendes theoretisches Verhalten. Ebenso wie auch Werterkennen echtes Erkennen, Werturteile - trotz aller eingefleischten Vorurteile dagegen - echte Urteile sind. Das wurde allerdings vor der Postmoderne und Wittgensteins gescheitertem Versuch gesagt, vor Gödel und andern, die die Beschränktheit, ja fehlerhaften Voraussetzungen jeglichen totalen Kalküls bewiesen haben. Lasks Idee einer nun schrankenlos einsetzbaren Logik lässt sich auch mit dem Geltungsbereich der Kategorien nicht erhalten, aber unterschiedliche Geltungsbereiche lassen sich so besser ermitteln, kartieren, zugänglich, anwendbar, kritisierbar machen, womit wir in die Topologie und Topik geraten. > Problem des Spezialwissens: Ignoranz Heute gibt es abertausende von Sonderwissenschaften, die bereits innerhalb der selben Universität schlecht integriert sind. Die Räume zwischen den Fakultäten und besonders Disziplinen sind die grössten Wissenslöcher (oft eher Mauern, oder Bretter vor dem Kopf), da sich niemand recht traut, sie zu überschreiten, zu beschreiten, zu bearbeiten, bevor er nicht eine Qualifikation dazu hat, ein Papier, das seine Zuständigkeit bestätigt. Diese Zwischenräume des Nichtwissens und Halbwissens werden dummerweise nicht weniger, sondern mehr. Mit jeder Teilung einer Wissenschaft in Spezialgebiete entsteht ein neuer Graben des Nichtwissens, der Nicht- Zuständigkeit. Finstere Verliesse inter-disziplinär "beschränkte" Fehden um nicht erlegte Bären. Gerade hier hat überall die Troglologie ihren Platz, das bewusste Nichtwissen, die Erforschung eigentlich weisser Kartenflecke, die aber von den umgebenden "Ländern" vorsichtigerweise schon mal als "eigen" beansprucht wurden, obwohl sie nicht bearbeitet werden. Ein Gesamtüberblick über DAS Wissen ... na ja, eben .... ist gerade an Universitäten am wenigsten zu suchen, sondern seltsamerweise eher bei Pluriversitäten, die allerdings sonst so ihre Probleme mit der Organisation und dem Ueberblick haben. Gerade unter dem Aspekt der Pluralität bloss topologisch begrenzter, und deshalb vielfältiger Geltungskategorien könnte der Begriff vieleicht doch noch Zukunft haben. 2.4 Philosophie als theoretisches Leben (Aristoteles: theoretische Lebensform)
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2.4.1 RationalismustheorienEin Kernthema bei derartigen Diskussionen ist immer der Nominalismus (s. Universalienstreit / ontologischer Realismus) bei dem es präzise um das Wesen von Begriffen geht: Sind sie "Repräsentativ" für das Bezeichnete - oder handelt es sich bloss um menschliche Konstrukte. Heute haben wir hier nicht mehr so das Problem des Mittelalters oder des Positivismus, da wir ja bereits die Relativitätstheorie hinnehmen mussten, also wissen, dass nicht bloss Zeit schrumpfen oder sich ausdehnen kann unter Beschleunigung oder erhöhter Gravitation, sondern dass sogar der Raum dies tut. Auch dass sich Masse in Energie, also etwas recht unstoffliches- und umgekehrt - verwandeln kann. Das "Sein", das früher noch was Festes war, Greifbares, Haltbares, Reales, ist heute irgendwas Diffuses zwischen Masse und Energie, je nach Druck und Alter. Das Nichts kann also voller Energie, oder dunkler Materie sein. Die mathematisch unumstössliche Formel, dass eine Multiplikation mit Null immer Null gibt, stimmt hier nicht mehr. Unendlich viel Nichts hat plötzlich Anziehungskraft, kriegt Dichte, wird zum Schwarzen Loch, und verschwindet in einem Nichts unendlicher Dichte und gewaltiger Anziehungskraft, die nichts entfliehen lässt ... aber plötzlich doch wieder auseinander fliegt, wo sie zu dicht wird. (s. Vom Urknall zum Schwarzen Loch)Universalienproblem/ontologischer Realismus/Nominalismus/ Sind Allgemeinbegriffe wirklich - oder bloss menschliche Kreationen? Die Frage ist in Wiki allerdings falsch gestellt, denn wirklich sind sie auch als menschliche Kreation, sie sind ja a) eine Wirkung menschlichen Denkens, b) wirken sie wiederum auf das Denken. Ausgangspunkt des Problems ist Platons Ideenlehre: Die Idee als, eben, "ideale" Repräsentation des Bezeichneten. Die Begriffe galten als einzig wahre Präsentation, hatten also nicht bloss den selben, sondern einen höheren Wahrheitsgehalt als das Bezeichnete, da sie sein Sein ganz allgemein ausdrückten. Nominalismus war ein Fortschritt, da er die Kategorien bloss noch als vom Menschen geschaffene, zusammenfassende Abstraktionen ansah. Im ontologischen Realismus befasst sich heute die Sprachphilosophie mit der Frage, ob logische Klassen, Zahlen, Funktionen eigenständige Existenz haben. Ja sagen die Platoniker (Platonismus / semantischer Realismus), nein die konstruktive Mathematik und der Intuitionismus (Brouwer) (Wahrheit entsteht nur durch Verifizierung im Denkprozess. Ausserhalb menschlichen Denkens sind diese Abstraktionen inexistent, sie haben keinen Realitätsgehalt, sind bloss auf solchen anwendbare Form).
Kon|zep|tu|a|lis|mus [m. -; nur Sg.; Philos.] zwischen Nominalismus und Realismus vermittelnde scholastische Lehrmeinung, die besagt, dass allgemeine Begriffe weder ausschließlich als bloßes Wort, noch im Sinne einer Realität aufzufassen sind, sondern dass sie umfassen, was alles Seiende verbindet [<lat. conceptum <Konzept und …ismus] Konzeptionalismus ? vermutlich Tipfehler Essentialismus (Wesenslehre): Das Wesen ist das, was bei jeglicher Veränderung einer Sache gleich bleibt: der Kern, die Identität, das „Wesenhafte“, das „Wesentliche“ bzw. die unterscheidenden Hauptmerkmale einer Gegebenheit, die unwandelbar (unrevidierbar) sind, der Existenz einer Sache vorausgehen und „älter“ und „reiner“ sind. In diesem Sinne kann es das Allgemeine, den Sinngehalt, die Gattung oder die Idee des betrachteten Gegenstands meinen, im Gegensatz zum Einzelnen, Individuellen und den zufälligen Änderungen unterworfenen Erscheinungen. Essentialismus ist anfällig für rhetorischen Missbrauch, da das Wesen wertend und normativ eingesetz werden kann, wodurch es seine Objektivität verliert und zum eigentlichen Ziel wird. Unterschiedliche Positionen zwischen Realismus und Nominalismus zur Frage:
Kritik an Realismus wie Idealismus (Gegenpol) Wir müssen den Realismus also nicht all zu nominal nehmen, sondern dürfen ihn ruhig ein bisschen relativieren, insbesondere wenn dies der Klärung der Begriffe dient und das Dasein (Existenz) wie das Sosein (Essenz) erleichtert. Interessanterweise ist die Frage der Kategorien, der Widerstreit zwischen Realisten und Nominalisten, der über 2000 Jahre ohne Resultat blieb und uns als mittelalterlisch-scholastisch ziemlich überholt dünkt, sehr akut. Im Prinzip lässt sich das Problem auf eine einfache Frage reduzieren: Lässt sich die Wahrheit finden (Realismus) - oder sind wir bloss in der Lage, uns ihr iterativ, schrittweise zu nähern, indem wir sie provisorisch vorkonstruieren und diese Konstrukte immer wieder prüfen (Nominalismus)? Es handelt sich um eine Machtfrage. Im Mittelalter ging es um die Macht der Kirche, die sich im Besitz der echten Wahrheit wähnte, heute geht es a) um die Frage, wie weit geht Beliebigkeit, die Freiheit der Gestaltung, der Definition; und wo findet sie ihre Grenzen (was gilt ausserhalb dieser postmodernen Beliebigkeit noch?); b) um die Macht der Wirtschaft, die nicht rationales, sondern rentables Wirken über alles stellt und die Kategorien entsprechend derjenigen Wahrheit formt, die Wachstum und Geld bringt.
Ens, unum, bonum, verum - die vier Transzendentia des Thomas von Acquin, sind verloren. Keine Einheit, kein Gutes, kein Wahres, kein Sein hat als solches, als kategorisches überlebt. Alles ist relativ, unbegründbar, wählbar, von der Bezahlbarkeit abhängig. Gerade die Philosophie (genau wie die Pädagogik) hätte eigentlich zur Aufgabe, herauszufinden, was dem Sein im Kern angelegt ist - und diesem an die Luft zu helfen, zur Entwicklung zu helfen. Was im Menschen angelegt, und wie das zu entwickeln ist, wird heute ebenfalls durch die Oekonomie definiert: Der Mensch ist egoistisch, auf Eigennutz bedacht - und soll diese Veranlagung einsetzen - zum Nutzen aller, der sich automatisch über den (freien) Markt einstellt. Diese These entpuppt sich mehr und mehr als unhaltbar, da die vorgegebene Form zu eng, das Resultat ungerecht ist - weil der Markt nicht frei ist, es nie war, es nie sein wird.. |
Nicolai Hartmann (1882-1950)Der heute bekannteste Philosoph der sich vor allem mit den Kategorien auseinandersetzte ist Nicolai Hartmann: Gegen Kant war Hartmann der Auffassung, das man keine voraussetzungsfreie Erkenntnistheorie aufstellen kann. Gerade die Kategorien beschrieb er als "unbewusste Intellektual-Funktionen mit logischem wie auch unlogischem Ursprung - was sie um so bedeutender macht, denn mit dem Unbewussten kann der dialogische Gegner leicht spielen. Die Kategorien sind so etwas wie vorläufige Hypothesen. Also auch hier wieder die eigentlich konstruktivististische Idee. Kategorien sind zwar apriorische Elemente des Erkennens - können aber nicht a priori erkannt werden. (Schöne Scheisse, würde da der Trivialphilosoph dazu sagen). Sie können als mnemonische oder psychologische Hilfsmittel gebraucht werden für die Rubrizierung des Gegebenen.. > Und hier ergibt sich auch die Prüfung der Tauglichkeit. Taugen die Kategorien für eine Ordnung des Denkens, sind sie "richtig", im Sinne von angemessen, taugen sie nicht, sind sie halt Schrott, sind sie verboten oder haben Löcher, verstecken sie gewisse Interessen der Schöpfer. Jede Erkenntnistheorie hat metaphysische Voraussetzungen:
Auch wenn die Erkenntnis keinen festen Massstab hat, Wahres von Falschem zu unterscheiden, sondern sich in einem unendlichen Annäherungsprozess an die Wahrheit heranpirscht, ist dies kein Grund, sich absolutem Skeptizismus hinzugeben, denn, Wahrheitssuche konvergiert, kommt also der Wahrheit immerhin näher, Wahrheitsverleugnung divergiert, d.h. sie produziert immer die selbe Wiederholung von Wörtern ohne Gehalt. Die phänomenologische Analyse führte Hartmann zu verschiedenen Unterscheidungen:
Hartmann baut hier eindeutig auf Schelling auf: Notwendigkeit > Wirklichkeit > Möglichkeit. So betont er auch den Aspekt der Teleologie, der Zielgerichtetheit, der als causa finalis in den Naturwissenschaften, ja sogar den Geisteswissenschaften (insbesondere der Geschichte, s. Historizismus) rein gar nichts zu suchen hat, aber für den Menschen meist weitaus bedeutender ist als Kausalität. Erlegt in seinem Werk "Teleologisches Denken" eine Kategorienanalyse der Finalität vor. Notwendigkeit: Episteme: Naturwissenschaften, Kausalwissenschaften - Memoria > Umsetzung: Techne Wirklichkeit: Sozialwissenschaften, Organisationswissenschaften, Handlungs- / Finalwissenschaften - Ratio > Umsetzung: Wirtschaft und Politik Möglichkeit: Geisteswissenschaften, Kunst, Ethik - Imaginatio > Umsetzung: Phronesis / Menschenrechte Historisch mehrfach entwickelten sich aus einer Ueberbetonung materialistischer, kausaler Einfachheit als Gegenreaktion unhaltbare teleologische Spekulationen. D.h., wenn die Realität zu einfach wird, zu brutal, flüchtet man sich in Träume. Wird das Ziel als Wirkendes genommen, lassen sich gerade komplexe Verhältnisse meist einfacher erklären, da das Resultat bekannt ist. So etwa das erstrebte Paradies des freien Wohlstandes, den zu erreichen man sich bloss den harten und unerbittlichen Forderungen des Marktes - oder sozialistischen Staates, je nach Vorliebe, unterwerfen muss. Wo das Ziel als gegeben angenommen wird, stehen wir offensichtlich in einem Prozess, den wir verwirklichen müssen. Wir werden so von Akteuren, vom Grund, Zweck und Ziel der Handlung, zu Faktoren eines Prozesses, zu Mitteln, die einem höheren Zweck zu dienen haben, die Pflicht und Auftrag haben, das Ziel zu realisieren, nicht es zu bestimmen, es frei zu wählen.
In allen Fällen wird das wollende, selbständige Individuum nach vorgegebenem Muster geformt, vielmehr wird von ihm gefordert, sich selbst zu formen, also anzupassen. Das frei, selbständig und verantwortlich handelnde Wesen wird eliminiert. Dass wir immer wieder in teleologische Denkmuster verfallen, liegt einerseits daran, dass unser Denken historisch sich entfaltet hat - und wir logischerweise unser Denken als die höchste Stufe betrachten, also das Ziel der historischen Entwicklung. Oder noch schlimmer, wir machen unser Handeln zum Höchsten, also nicht das individuelle Tätig sein, die Verwirklichung von Intentionen, sondern die Wirtschaftsform. Ein absolut lächerliches Konzept (s. Das Ende der Geschichte) Teleologisch denken wir vor allem, weil für den Menschen alles einen Sinn haben muss. Die Frage warum (ist etwas passiert), sucht nach Ursachen, die mit dem Ziele übereinstimmen. Zufall gilt dem Menschen als sinnlos - und Sinnlosigkeit ist den meisten eben so unerträglich wie Hoffnungslosigkeit. Das Unberechenbare ist Verrat an Staat und Wirtschaft, ja an Wissenschaft, denn es verhindert die Planung, zu der wirtschaftliches wie politisches Denken ihn zwingt. Geschick oder Schicksal sind kein Verdienst, also in einer Meritokratie ohne wirklichen Profit. Die Kausalität verschwindet im Normalfalle hinter den Finalinteressen, den Intentionen. Die Motive treiben zu Finalinteressen, welche die Bestimmung des Menschen ausmachen. Die Anthropomorphie ist die stärkste Kulturimperialismus - des Menschen - gegenüber tierischen oder pflanzlichen Kulturen. Ein Zweckgefüge besteht nur aus Elementen, die Zwecke des Menschen sind, in denen er Halt sucht. Anstatt seine Zwecke selbst zu setzen, sucht er sie in vorhandenen Strukturen, Funktionen, Modellen, Normen, Idealen, Ideologien. Die Verwechslung von Zwecktätigkeit mit Zweckmässigkeit verkehrt das Denken und verleitet es zur Annahme, alles was zweckdienlich sei, sei so, zwecktätig, geplant, sei es von der Natur (die nicht plant) - oder von Gott. Der einzige "Zweck" des Lebens aber ist, sich selbst zu erhalten und weiter zu tragen. Die Klage gegen den Tod geht von der Annahme aus, die Konstruktion eines sterbenden Lebewesens sei ein Konstruktionsfehler eines Pfuschers, eines Demiurgen - ohne allerdings die Folgen ewigen Lebens zu bedenken. Die Teleologie führt auch" leicht" zu Gesamtlösungen - während dem die "normale" kausal orientierte Forschung, mühsam Stückwerk zusammen fügt, mit widersprüchlichen Resultaten. Vom Ziel her hingegen lässt sich alles einfach erklären. (Vielleicht ist dies auch der Grund, warum Gott nötig ist). Das kausale, sich ungeplant entwickelnde, erscheint als sinnlos - also wird ihm ein Ziel angehängt (Fortschritt, angestrebt zwecks Wohlstand, angestrebt zwecks ?) Zwecktätigkeit ist Zielstrebigkeit, ist Planmässigkeit - also die wichtigsten Eigenschaften erfolgreichen Handelns der Menschen. Ganzheitskausalität steckt auch im Begriff "Entwicklung". Da steckt offenbar was drin, eingewickelt, das bloss ent-, d.h. ausgewickelt werden muss. Der Endzweck der ausgewickelt werden muss besteht dummerweise so aber eben meist in etwas, das irgendwo, bei denen die Entwicklung betreiben, bereits da ist, und als "Ende der Geschichte", als non plus ultra, als top of the art etc. definiert wird. sei es Technik, Demokratie, freie Marktwirtschaft, oder unverständliche Kunst. Das menschliche Denken ist, ganz anders als die Natur, die auf Ursachen reagiert, auf Sinn hin orientiert, also auf Abwicklungen die logisch zusammenhängen und in einem Zielobjekt, - Zustand oder -Begriff gipfeln. "Verstehen" will diese Zusammenhänge, den Sinn, erfassen. Verstehen lässt sich nur Sinn und alles was ihm verwandt ist, also Wert, Zweck, Bedeutung. Der Mensch sieht sich als Weltzweck, als Sinn des Bestehens der Welt. Das ganze Weltgeschehen hat es nur auf ihn abgesehen ... womit er sich vermutlich täuscht. Wären alle niederen Stufen der Entwicklung nur dazu da, die höheren zu tragen, so wären wir vermutlich auch nur ein Mittel, den Uebermenschen zu erzeugen, oder gar den Gottmenschen. Gemessen daran, was der gewöhnliche Mensch allerdings schon mit der Welt und Umwelt angestellt hat, ist es fraglich, ob die Erde ein noch mächtigeres Wesen zu er-tragen vermag. Sie bedürfte eines in seinen Ansprüchen bescheideneren, keine Herrenrasse. Sie dürfte wohl nur überleben, wenn gerade nicht der Mensch sich als höchste Kategorie darstellt, sondern die Welt, insbesondere Biosphäre, Lithosphäre, Hydrosphäre, Troposphäre etc. Teleologismus, jegliches Weltprinzip, verneint die Willensfreiheit. Der Vorteil seiner Position, als einzigem der willentlich Ziele setzen und sie zweckorientiert verfolgen kann, ist ja gerade, dass der Rest der Welt dergleichen nicht kann. Hätten auch Seen, Wälder, Tierherden, Wolken, Regen, Sonnenschein ihre Ziele, es wäre ein dauernder Krieg um die Entscheidungsmacht. > Dies auch bei absolut gut gemeinten Vorschlägen wie etwa dem Grundlohn. Betrachten wir den unter dem Aspekt der Kategorien, so wird sofort klar, dass die Ausrichtung eines die Existenz sichernden Lohnes derart gewaltige Summen, und Verwaltungsorganisationen, und Aenderungen der Einstellungen, Antriebe der Menschen bedarf, dass hier die Kategorie Möglichkeit die Kategorien Wirklichkeit und Notwendigkeit zu totaler Umstrukturierung verpflichten möchte. Die Realisierbarkeit ist also minim:
Sehen wir in der Postmoderne zur Zeit keinen Zusammenhalt, keine sinnvollen gemeinsamen Ziele, kein allgemein gültiges Lebenskonzept, keinen übergreifenden Sinn - so ist das vielleicht nicht mal so übel, denn wäre dieses da, so müssten alle gemeinsam nach ihm hinstreben, uns dem Ziel unterwerfen. Die Freiheit wäre perdü. Also nehmen wir, im Namen der Freiheit, ein bisschen Unsinn und Unsicherheit über die Entwicklung in kauf, und geniessen die freie Entfaltung ... inshallah. Der Mensch kann und soll Werte vertreten - muss aber immer das Recht behalten, diese zu ändern oder darauf zu sch..., also die Rückseite der Münze zu besehen. Wären Werte erkoren und gültig, der Einzelne wäre nicht mehr Mitgestalter und Mitschöpfer der Welt, sondern "Werterhaltungsbeauftragter", "Wertebeamteter", ein Mittel, diese Werte zu realisieren und damit die Welt zu bestimmen. Hätten Werte Herrschaftsmacht, wäre der Mensch nicht mehr verantwortlich, aber eben auch nicht mehr frei. Werte dürfen und sollen unser Wertegefühl formen - nicht aber den Willen determinieren. Auch ohne hier von einer religiösen Begründung auszugehen, kommen wir in präzise das selbe Problemfeld, der Theodizee: Warum hat Gott den Menschen, den er ja schuf, nicht einfach grad gut geschaffen? Warum erlaubt er Unrecht, Krieg, Gewalt?
Jede Schicht baut auf der nächsten Stufe auf. In jeder Schicht gelten Fundamentalkategorien und spezifische Kategorien. Die Fundamentalkategorien bestehen aus Gegensatzpaaren (AdrW, 230). Sie sind elementar und nicht auf andere rückführbar.
Liste der Fundamentalkategorien
Die Liste von Hartmanns Kategorien ist erfreulich - weil sie den Determinismus, den dikatorischen Zwang den Kategorien meist ausüben, entfernt. Jede Kategorie hat bereits Felder, in die sie sich auflöst. Das Prinzip ist geistig - das Konkretum eben was anderes; die Struktur ist zwar fest, hat aber unterschiedliche Modi wie Zwang, Möglichkeit, Freiheit; zwischen innerem und äusserem steht die Form, die Hülle, die Gestalt, die sich (meist) ändern lässt; Determination auf der einen, heisst Abhängigkeit auf der anderen Seite; etc. Kategoriale Gesetzmäßigkeiten: Kategorien bedingen sich innerhalb einer Kategorienschicht.
Sein Schichtengesetz besagt, dass niedrige Kategorien in höheren oft wiederkehren, nie aber umgekehrt. Höhere Formen, umfassendere Formen tauchen nie in tieferen auf - also eine Art Evolution der Kategorien. Betrachtet man den Zusammenhang von Schichten und Kategorien, so enthalten für Hartmann viele Weltanschauungen den Grundfehler der prinzipiellen Einseitigkeit. Gerade die Evolution der Form bringt uns auch auf einen Zusammenhang, und damit mögliche weitere Erklärung oder Systematisierung der Kategorien. Der Formkalkül von Spencer-Brown macht bewusst, dass jede Form, jeder Begriff, etwas ein- und anderes ausschliesst, wobei zweiteres, der sog. "unmarkierte Raum" oft grösser ist als der umfasste. Kategorien wären in dieser Betrachtung also diejenigen Begriffe, die möglichst viel ein, und möglichst wenig ausschliessen. Die höchste Kategorie dürfte gar nichts mehr ausschliessen, wäre im Mittelalter also Gott genannt worden (Wobei sich dann allerdings das Problem des Bösen stellt, ob das zu Gott gehört oder als böswillige Verkrümmung einer Unterkategorie überhaupt möglich ist). Hartmann übersah die Uebereinstimmung der onthologisch-kategorialen Geltungsfunktion mit derjenigen der ethischen und ästhetischen Werte, die gerade im Bereich der axiologischen Geltungsmomente stattfindet. [Frei] H. Wein entwickelte daraus die Grundzüge einer Strukturlogik, ein Gebiet das zwar wichtig, aber wohl wegen seiner Nähe zur Metaphysik und Kosmologie nicht weiter entwickelt wurde - obwohl er im Prinzip recht hat: Alle Kategorien haben zur Voraussetzung, dass die <Welt der Etwasse> geordnete Welt, <Welt-mit-Struktur> ist, so wie die Harmonie bei Heraklit, die "general interconnectedness of things" bei Witehead, die Dimensionalität der Welt bei Hartmann. |
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Marxismus-Leninismus: Lenin charakterisierte Kategorien als <Stufen des Heraushebens> der Erkenntnis der Welt, als Knotenpunkte im Netz, die helfen, es zu erkennen und es sich zu eigen zu machen. Die Kategorien werden hier allerdings völlig auf ihre Brauchbarkeit als Grundbegriff der Einzelwissenschaften reduziert.
| Kategorienfehler
Unter Kategorienfehler versteht man eine bestimmte Art von Fehlschluss. Ein Kategorienfehler liegt vor, wenn ein Terminus einer bestimmten Kategorie durch einen Terminus ersetzt wird, der nicht zu dieser Kategorie gehört. Für Vertreter der analytischen Philosophie, angefangen bei Ludwig Wittgenstein ('Tractatus Logico-Philosophicus'), sind viele Fragen, mit denen sich die klassische Philosophie über Jahrhunderte beschäftigt hat, insbesondere Probleme der Metaphysik, auf verfehlten Sprachgebrauch, unter anderem auf Kategorienfehler, zurückzuführen. Ein prominentes Beispiel dafür sei das Leib-Seele-Problem. |
Analytische Philosophie: Mit dem Aufkommen der analytischen Philosophie und dem Existentialismus ging Hartmanns Lehre mehr oder minder unter. Nur für die Ontologie blieb er eine Koryphäe, abgesehen davon, dass diese von der Informationstechnologie eh verhunzt wurde. Hier waren die Kategorien, ohne Bezug auf deren traditionellen Gehalt, a) wichtig im Rahmen des (gescheiterten, s. Wittgenstein) Aufbaus einer logisch perfekten Sprache, b) als logische Gerüste der Welt. Kategorien dienen als Schema sinnvoller Aussagen. Gilbert Ryle postulierte eine völlig unbestimmte Anzahl von Kategorien die ohne systematischen Zusammenhang zueinander bestehen, also das Fehlen oberster Kategorien -womit auch hier voll die Postmoderne zuschlägt. Umgekehrt konnte Popper allerdings auch zeigen, dass formale, also absolut logische Sprachen, wohlgeformte Ausrücke hervorbringen können, die nach Russels Typentheorie aber eindeutig als Kategorienfehler zu bezeichnen sind.
Herrmann Krings' (1913-2004) transzendentale Rekonstruktion der Kategorienlehre
Da der Ursprung der Kategorien als formaler Gehalt und funktionale Form weder das Ich noch das Seiende, weder die Anschauung noch der Verstand ist, so muss Kategorie als mit dem Denken gleichursprünglich gedacht werden. Die Freisetzung des kategorialen Elementes ist also selbig mit dem Selbstvollzug des Denkens. Das Denken denkt in Kategorien.
Krings Hervorhebung der Funktion der Kategorie bestätigt ihren formalen, nicht materiellen Gehalt, ihre funktionale, nicht substantielle Form, ihren transzendentalen Inhalt, der in die Konstitution der medialen Sphäre als eines urteilsartig aufgegliederten Gegenstandes eingeht. - womit wir wieder beim Ursprung wären: Kategorie als Urteil, als Urteil, ev. vorläufiges Urteil darüber, wie das Denken zu strukturieren sei. Die Kategorien sind damit unverzichtbar als Grundbegriff der Selbstreflexion endlichen (beschränkten) Wissens. Die Götter brauchen keine Kategorien, da sie den Ueberblick haben. Sie sind Kategorie. Der Mensch jedoch nicht ... oder nur beschränkt, als Subkategorie von Welt und Leben.
Apropos Gott. Die Kategorienlehre gibt uns eine relativ einfache, verständliche, völlig abstrakte Idee darüber, was Gott ist: Gott ist die höchste Kategorie, die alle anderen Kategorien umfasst. Samt Widersprüchen. Deshalb ist er unfassbar, nicht mal denkbar, vor allem nicht abbildbar. Der Gott der sich persönlich um den Kleinkram eines Jeden kümmert und sich mit allen unterhält, ist bloss die Biedermeier- oder Stammtischversion davon. Gott ist 1. und höchste Kategorie. Seltsamerweise wird er aber nicht als nominal, sondern als real genommen -obwohl sich jeder der auf Einzigartigkeit plädierenden eifersüchtigen Ein-Götter ganz klar herausbedungen hat: KEIN ABBILD! - Womit also höchstens eine abstrakte Form der Repräsentation bleibt, eben ein Nomen: Und am Anfang stund das Wort (logos) - und das Wort war Gott.
Der Einfluss der Naturwissenschaften hat zu einer merkwürdigen Neutralisierung des Kategorienbegriffs geführt - gleichzeitig aber auch zu inflationärem Gebrauch von Kategorien als "allgemeinem Bestimmungsprinzip von Seiendem im weitesten Sinne". Die Philosophie hat resigniert, die Informationstechnologie die Begriffe Ontologie wie Kategorie übernommen - und verhunzt. Die eminent wichtige Bedeutung des philosophischen Kategorienbegriffs, ganz zu schweigen von der Ontologie, erfordert verstärkte Anstrengungen seitens der Philosophie. Dies um so mehr, als "Kategorienfehler" immer mehr zum handlichen eristischen Instrument populistischer und speziell wirtschaftlicher Propaganda werden. Wo die Kategorien vermischt werden, gibt es keine Wahrheit mehr.
| Kategorienimperialismus: Bedeutsam wäre heute insbesondere Hartmanns 8. Gesetz, das Gesetz der Freiheit. Im Gegensatz zu den klassischen Kategorien haben wir heute die Kategorie Geld, die von oben bis unten alles mitformen will, die kein Novum erlaubt, dass sich ihrem Einfluss entzieht. Geld ist zu einer Kategorie ausserhalb aller Kategorien geworden, also quasi zu einer neuen Transzendentalie. Geld macht sich zum kategorialen Imperium, dem Zentrum allen Wertens. |
Eine moderne Methodik der Kathegorienbildung könnte sich z.B. der Topik bedienen, feststellen, was die Menschen vor allem bewegt, positiv oder negativ; was sie tun - und tun möchten; wo ihre Realität ist - und wo die Träume wären. Eine Verdichtung der Resultate auf Kernbegriffe ergäbe eine moderne bis postmoderne Kategorienliste. Der Prüfstein für die Brauchbarkeit wäre heute vermutlich die Qualität der Wissensorganisation (formale und/oder inhaltliche Erschliessung) und Wissensrepräsentation (Begriffssysteme) die sich daraus ergibt. Hier, in der Informatik, erhält dann die Ontologie eine ganz andere Bedeutung, nämlich die einer expliziten formalen Spezifikation einer Konzeptualisierung (Begriffsbildung):
wiki sagt: Ontologien dienen in verschiedenen Bereichen als Mittel der Strukturierung und zum Datenaustausch, um bereits bestehende Wissensbestände zusammenzufügen – beispielsweise genetische Daten in der Bioinformatik. Experten aus verschiedenen Gebieten widmen sich der Modellierung ihres jeweiligen Spezialwissens und notwendiger Inferenzprozesse, so dass auf dieser Basis deklaratives Wissen, Problemlösungstechniken und Schlussfolgerungsmechanismen von mehreren Systemen geteilt werden können.
Im Unterschied zur Taxonomie stellt eine Ontologie ein Netzwerk von Informationen mit logischen Relationen dar, während die Taxonomie nur eine hierarchische Untergliederung bildet. Heuristisch, weil auf die Enge der Disziplin beschränkt als und nicht das Ganze berücksichtigend, sind allerdings beide.
Kategorien (Rhizosphären) einer neuen Linken (Vaclav Belohradsky: Neun Rhizosphären. Manifest für eine neue Linke nach dem Fall der Berliner Mauer. Lettre International Herbst 2009, S. 245-49). Wir können anhand dieses ausgezeichneten Artikels mal heuristisch sehen, in welchen Kategorien heute ein sozial engagierter Linker denkt:
Kategorische Werte heute, in der Gegenwart, eher von rechts gesehen:
Die Kategorien des Marktes sind heute: Preis, Menge, Qualität, Ort. Freiheit vor allem als Freiheit von anderen, zusätzlichen Bedingungen/Kategorien wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Interessant ist hier auch, dass das, was heute am meisten gilt, das Geld (ein Begriff, der präzise von gelten kommt), nur mit beträchtlichem Aufwand daran gehindert werden kann, diese Geltung dauernd und einigermassen stabil aufrecht zu erhalten. Das Problem ist vor allem, dass Geld als Wert gleichzeitig Mittel (zum Tausch) und Mass (des Tauschwertes) ist, sich also selbst misst, und verändert. (s. Geldökologie) Der Grat ist schmal, zwischen Inflation und Deflation .... Mist.
Aber:
Was wahr ist, sagt uns, immer noch, die Wissenschaften und die Philosophie,
was wichtig ist die Selbsterkenntnis, Selbstbefragung, wo's ums Individuum geht - oder Meinungsumfragen/Topik, wo's um die Gesellschaft geht.
Was richtig ist ist Sache der Klugheit, wo's um individuelle Belange geht, der Ethik, also der angewandten, der praktischen Philosophie, wo's um das Leben in Gemeinschaft geht
Fazit:
Denkstrukturen, zu denen die Kategorien an höchster Stelle gehören, sind aus zwei Gründen nötig:
Die Sprache hat sich erst in einer unendlichen Vielfalt entwickelt. Cluster bestimmter Sprachmuster entwickelten sich erst nach und nach, was, mit Eroberungen und Ausdehnung von Herrschaftsgebieten, zu einer enormen Reduzierung der Sprach- und damit Kulturvielfalt führte.
Sprache ist auch das Kerngebiet des Strukturalismus, der aus den Strukturen der Sprache auf Strukturen der Bedeutung schliesst. So haben Inuit 20 Wörter für Schnee - was allerdings offenbar eine eher seltsame und konstruierte Behauptung war. Belegt ist allerdings, dass die Shona rund 20 Ausdrücke haben für "Gehen", und die Eskimos deren 20 um verschiedene Varianten von Lachs zu bezeichnen.
Die Bedeutung der Kategorien bei der Strukturierung des Denkens macht darauf aufmerksam, dass Pädagogik und Didaktik vielleicht nicht einfach den Lehrern überlassen werden sollten, noch weniger den Propheten der absoluten Priorität der Verwertbarkeit der Bildung, oder in dem Falle besser <Schulung>.
Pädagogik (gr. Kindererziehung) ist Erziehungswissenschaft und - Praxis. Sie erforscht einerseits Bildungs- und Erziehungszusammenhänge, andererseits macht sie als als Handlungswissenschaft Vorschläge, wie eine Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann. Sie wählt also z.B., welche Kategorien des Wissens "schulungswürdig" sind, etwas optimistischer: Welches Wissen Mündigkeit und Selbstbestimmung fördern kann. Also das was. (Wir sehen hier die Bedeutung der Freiheit, die selbst keine Kategorie darstellt, sondern ... eben was anderes. Freiheit kommt in allen Kategorien vor, ist also entweder die tiefste, ursprünglichste, allgemeinste Kategorie - oder eben gerade das Gegenteil von Kategorie, eben Chaos).
Die Didaktik (gr. Lehren) ihrerseits beschränkt sich dann auf die Technik des Lehrens (und Lernens). Didaktik beschäftigt sich nicht mehr mit dem was, sondern mit dem wie, also der Lerntechnik.
Die unklare Kategorisierung des Wissens unserer Zeit ermöglicht auch die massive Fehlorientierung, die Werte durch Geld ersetzt hat. Statt die von Aristoteles vor über 2000 Jahren, von Lask vor 100 Jahren vorgeschlagene Kategorisierung des Wissens in 3 Unterkategorien zu übernehmen, hat sich Wissenschaft über Technik die Sphäre der Anwendung angeeignet, ist damit und mit ihrem imperialen Auftreten in das ehemalige Reich der Metaphysik vorgestossen, also dem Reich des Sollens und Wollens (früher eher Seele und Geist genannt). Gerade der Positivismus hat den Wissenschaften ein Modell an die Hand gegeben, mit dem sie zwar nicht erfolgreicher Forschen, aber um so erfolgreicher alle Wissensbereiche dominieren kann - als einzig objektives, also höherwertiges Wissen. Die Oekonomie hat sich diesen Status zu Nutzen gemacht, obwohl sie eigentlich gar nicht zu diesen Gattungen von Wissenschaft gehört, sondern eher eine handgestrickte, konstruktivistisch- bis propagandistische Wissensschöpfung ist. (Welche Wissenschaft ausser der Oekonomie basiert noch auf Glaubenssätzen wie z.B. Privateigentum ist gut. Staat ist schlecht - oder umgekehrt? Die Theologie. Richtig.) Die totale Verwirrung der Postmoderne, die gar keine Wahrheit mehr akzeptiert, also einen extremen Skeptizismus, Misologie oder gar Nihilismus (mit nichts als dem individuellen Meinen) darstellt, begünstigt diese Usurpation fremder Kategorien durch Propaganda.
So hat vielleicht die Institution, die zur Pflege des Glaubens an die höchste Kategorie, Gott, eingesetzt wurde, also die Kirche, durch die Erschaffung von Eigentum (Boden zumindest), Buchhaltung, Rechtslehre und Verwaltung am meisten dazu beigetragen, dass eine zweite Kategorie mit G, Geld, als Mass aller Dinge heute die höchste Position einnimmt.
Der kant'sche Imperativ „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ ist (Gott sei Dank) unter der Last des Pluralismus zerbrochen. Dummerweise wurde er ersetzt durch einen monetären Imperativ:
Du sollst so viel Geld wie möglich verdienen,
und alles tun, um dazu in der Lage zu sein!
Es geht nun darum, nicht zur Spiesserpflicht von Kant zurückzukehren und dennoch den monetären Imperativ so zu modulieren, dass Ungerechtigkeit so genannt werden kann, und nicht als Neid verleumdet wird. Es geht aber vor allem darum, den Menschen einen anderen Antrieb zu ermöglichen, der ihm die Chance gibt, auch wenn er im Wettbewerb am Markt verliert, sich weiter zu entwickeln, und nicht sich im Kampf um mehr Geld aufzureiben. Eine darwinsche Selektion des Ueberlebensfähigsten auf Grund der Fähigkeit, Geld zu verdienen, ist doch ein etwas seltsames Prinzip, nicht bloss aus humanistischer Sicht.
Zynismus wird, unter der Aufspaltung des Wissens in Wahrheit und Geltung, quasi zu einer Wissenschaft, die untersucht, ob das, was gelten soll, diese Forderung berechtigt stellt, oder ob die Geltung irrtümlich angenommen oder zugesprochen wurde.
Pragmatischer Ansatz zu einer Ontologie (Inhaltsstruktur) von Brainworker: s. sitemap
Kategorien müssen erlauben, die Welt in folgende 4 Sphären zu fassen:
Methodik:
A) Das Sein (Realität). Das Seinkönnende. BEDEUTUNG-VERGANGENHEIT / MEMORIA. Das Reich der KAUSALITÄTEN.A1) Das reine Da-Sein. Die Natur: Kosmos / Erde / unbelebt / > Kausalität: Das Reich des Müssens - das Reich des Wissens - der Ursprung der Bedeutung. A2) Biosphäre: belebt > Systeminteraktion, Potentiale, Spannungen, Wittgenstein: <Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die gesamte Naturwissenschaft> Identifikationen erlauben die Selektion von Kriterien, mit denen sich bestimmen lässt, ob Wahrheit erzeugt wird, oder zumindest das neopositivistische Aequivalent, ob die Sache funktionieren kann: Identifikation 1, die Naturwissenschaftliche: Was ist berechenbar? Was können wir wissen? Nach Kohlberger wäre das eine wirklich prämoralische Stufe, da wir nur mit der Natur, nie aber gegen sie arbeiten können, ihre Gesetze zwar geschickt nutzen, uns ihnen aber unterwerfen müssen. D.h. wir können zwar mit der Natur quasi "verhandeln", ihr aber nichts abtrotzen (nicht ohne massive Kosten oder Folgen), was gegen ihre Regeln und Grenzen verstösst. Bereits hier kommt erschwerend hinzu, dass alles
Der Raum lässt sich auch nicht bloss durch 3 Dimensionen, Höhe, Breite, Tiefe charakterisieren, sondern meist ist viel entscheidender die Form und die Gestalt. Ich benutze hier beide Begriffe nicht als synonym, sondern Form für die eher äussere Erscheinungsform eines Dinges, Prozesses oder auch einer Idee; Gestalt als Oberbegriff für System, "Menge", Auswahl, Gruppe etc., also als Begriff für den Zusammenhang der Dinge und Funktionen, die wirklich zusammenhängen. Und hier beginnt Erfolg oder Elend der Erkenntnis: Die Wahl der Dinge die zusammen gehören erfolgt bei Journalisten auf Grund zeitlich-topologischer Wahl des Seins, energetischer Wahl des Sollens: Die Geschichte soll a) richtig, b) vor allem aber neu und interessant sein. Aehnlich bei den Politikern - und in Folge beim Volk. Resultat dieser postmodernen Gestaltlosigkeit ist das Internet, wo sich alles oder nichts oder auch das Gegenteil davon gleichermassen belegen lässt, wo ein wahres Argument kaum mehr zählt, wenn ein Schwarm des Für-Wahr-Haltens sich mal gebildet hat (das gilt sogar für wikipedia). Nicht unbedingt besser in den Wissenschaften, da hier die Wahl bedingt ist weniger durch faktisches Vorhandensein eines Sets an Dingen und Prozessen mit ihren Folgen, als durch das, was der einzelne Wissenschaftler auf Grund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Disziplin überhaupt zu untersuchen und zu beantworten vermag. Grundbedingungen der Wissenschaft für eine "richtige" ("wahre") Beschreibung ist also:
Identifikation 2, die sozialwissenschaftlich-politische: Wer ist wozu berechtigt - wer hat welche Pflichten? Wozu verpflichten uns andere? Wer entscheidet wo und wie welche Ziele und Wege anzustreben sind?
Identifikation 3, die Individualistische: Was ist das Motiv? Was bewegt das Individuum? Was bringt das Meschenwesen in Gang? Was treibt es an - weil für gut, erstrebenswert, wünschenswert - oder schlichtweg notwendig befunden?
Identifikation 4, die geisteswissenschafliche: Was gilt? Was sagen uns Verstand und Vernunft - welchen Rat gibt uns die Weisheit? Was ist unter welchen Umständen kritisierbar. Wozu verpflichten wir uns selbst? Kohlberger Stufe 4-5: 4) Aufrechterhaltung der Autorität (präzise dazu sind Institutionen geschaffen).Orientierung an individuellem Recht, sowie Vertrag und Gesetz, in denen Rechte und Pflichten (Grenzen individuellen Rechts) festgelegt sind, optimalerweise demokratisch.
Identifikation 5, die systemische: Was lässt sich wollen - ohne die Harmonie, das Gleichgewicht (Natur, Gesellschaft wie Geist) zu zerstören?
Identifikation 6, die künstlerische, philosophische oder religiöse, d.h. gestalterisch und/oder schicksals-erwartend:
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